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Meinung cvk / DFN-Redaktion · 6. October 2026, 08:34 Uhr · 4 Min. Lesezeit
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34,5 Prozent der Neuzulassungen sind E-Autos: Margen bleiben offen

Der September liefert Rekordzahlen und politischen Rückenwind. Für Autobauer zählt nun, wie viel Gewinn nach Rabatten, Prämien und Modellmix bleibt.

Illustration: 34,5 Prozent der Neuzulassungen sind E-Autos: Margen bleiben offen

Bundesumweltminister Carsten Schneider verbucht die neue E-Auto-Prämie laut n-tv als vollen Erfolg. Für die Hersteller ist das eine freundlich beleuchtete halbe Wahrheit. Ein Staat kann Stückzahlen feiern. Ein Autobauer muss am Ende fragen, was nach Rabatt, Prämie und Modellmix in der Kasse bleibt.

An der Börse gibt es eine alte Höflichkeitsregel: Man applaudiert dem Umsatz, aber man bezahlt den Gewinn. Beim E-Auto-Boom gilt sie besonders. Die Schlagzeile klingt nach Durchbruch. Die Rechnung darunter klingt nach Werkstatt.

Der Rekord misst Nachfrage, nicht Preismacht

n-tv berichtet unter Berufung auf das Kraftfahrt-Bundesamt, dass im September knapp 88.600 Pkw mit Elektromotor neu zugelassen wurden. Laut EY erreichte ihr Marktanteil 34,5 Prozent. Das war ein Rekord und ein Sprung um 15,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahresmonat.

Diese Zahl ist politisch stark. Sie ist industriell aber nur der Anfang. Ein hoher Anteil bei Neuzulassungen sagt, dass Kunden zugreifen. Er sagt noch nicht, zu welchem Preis sie zugreifen und welches Modell sie wählen. Genau dort entscheidet sich, ob der Boom für die Autobauer glänzt oder nur blinkt.

Der Käufer rechnet nüchtern. Frank Schwope, Lehrbeauftragter für Automotive Management an der Fachhochschule des Mittelstands Berlin, sagte laut n-tv: „Die Menschen handeln oft sehr rational, wenn es um das eigene Portemonnaie geht.“ Hohe Spritpreise und Zuschüsse senken die Hemmschwelle. Sie ersetzen aber keine dauerhafte Preismacht der Hersteller.

Die Prämie steckt im Preis, bevor die Marge entsteht

Das Bundesumweltministerium teilte laut n-tv mit, dass von Mitte Mai bis Anfang Oktober 100.000 Anträge auf die E-Auto-Prämie bewilligt wurden. Schneider betonte den Schutz vor hohen Kraftstoffpreisen und teuren Ölimporten. Das ist die saubere politische Erzählung.

Die betriebswirtschaftliche Erzählung ist rauer. Eine Prämie erhöht die Zahlungsfähigkeit des Kunden. Sie kann aber auch Rabatte verdrängen, Listenpreise stützen oder den Wettbewerb nur verlagern. Schwope warnte laut n-tv, Prämien führten häufig dazu, dass Händler und Hersteller weniger eigene Rabatte geben und die Preise hochhalten. Für den Kunden kann das kurzfristig angenehm sein. Für die Marge ist es nur dann gut, wenn der Hersteller nicht an anderer Stelle nachgeben muss.

Die Zahl dahinter
2.124 Euro

So viel teurer waren reine E-Autos im September im Durchschnitt gegenüber Verbrennern, berechnete Ferdinand Dudenhöffer laut n-tv für die jeweils 25 meistverkauften Modelle.

Der kleinere Preisabstand ist noch kein Geschenk an die Hersteller

Der Preisabstand zwischen E-Autos und Verbrennern schrumpfte laut n-tv im September um 125 Euro gegenüber August. Das klingt nach Normalisierung. Im Oktober 2024 lag der Abstand laut der CAR-Studie noch bei mehr als 6.500 Euro, in den Anfängen der Elektromobilität teils bei 15.000 Euro. Wer nur diese Reihe betrachtet, sieht eine lange Annäherung.

Doch auch hier steckt die Pointe im Detail. Im Dezember 2025 lag der Aufpreis laut CAR noch bei 1.328 Euro. Bis Juli stieg er auf 2.363 Euro. Ferdinand Dudenhöffer erklärte diesen Anstieg damals laut n-tv mit einem günstigen Marktumfeld für E-Autos. Hohe Spritpreise und die staatliche Prämie machten zusätzliche Verkaufsförderung aus Sicht der Hersteller weniger nötig.

Jetzt steigen bei den 25 meistverkauften reinen E-Autos laut n-tv die Rabatte wieder. Das ist der kleine Riss im Lack. Wenn Hersteller mehr Rabatt geben müssen, um die Stückzahlen zu halten, wandert ein Teil des Booms direkt aus der Gewinnrechnung heraus. Zulassungen sind sichtbar. Margen verstecken sich dort, wo der Prospekt endet.

Der Modellmix entscheidet, wer den Boom wirklich bezahlt

Constantin Gall von EY nannte den Boom laut n-tv ein „echtes Dilemma“ für die Hersteller, weil sie nicht abschätzen könnten, ob er anhält. Das ist höflich formuliert. Wer heute Kapazitäten, Marketing und Preislisten auf einen prämiengestützten Nachfrage-Schub ausrichtet, muss wissen, ob morgen noch dieselbe Nachfrage dasteht.

Besonders die privaten Käufer ziehen an. Laut EY stiegen die Neuzulassungen von E-Autos auf Privatkäufer im August um 141 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Unternehmen lag der Zuwachs bei 33 Prozent. Für die öffentliche Debatte ist das erfreulich, weil die Elektromobilität im Alltag ankommt. Für die Autobauer kann es gemischter sein, weil private Käufer härter auf Anschaffungspreis und laufende Kosten schauen.

Die hartgesottenen Hersteller werden diesen Boom nicht an der Zulassungsstatistik messen. Sie werden prüfen, ob sie teurere Modelle verkaufen, ob Rabatte wieder wachsen und ob die Prämie nur Nachfrage vorzieht. Schwope warnt laut n-tv vor einem Einbruch nach dem Auslaufen der Förderung und nennt sie eine Marktverzerrung. Man muss diese Schärfe nicht vollständig teilen, um den wunden Punkt zu sehen.

Die 34,5 Prozent lesen sich deshalb anders als auf den ersten Blick. Sie zeigen Bewegung im Markt, keine fertige Gewinnmaschine. Der Minister sieht 100.000 bewilligte Prämienfälle und darf zufrieden lächeln. Der Autobauer sollte etwas leiser lächeln. Bei ihm beginnt die Abrechnung erst, wenn die Prämie verbucht, der Rabatt gewährt und der Modellmix verkauft ist.

Abstimmung

„Der E-Auto-Boom verbessert die Gewinnlage der Autobauer erst, wenn er ohne höhere Rabatte trägt.“

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