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Krypto okl / DFN-Redaktion · 14. October 2026, 14:33 Uhr · 4 Min. Lesezeit
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Bitcoin-Käufer Strive nutzt teure Vorzugsaktien für neue Käufe

Die geplante Vorzugsaktie über 500 Millionen Dollar wirkt wie Krypto-Avantgarde. Tatsächlich zieht sie Bitcoin in die alte Logik von Rang und Zins.

Illustration: Bitcoin-Käufer Strive nutzt teure Vorzugsaktien für neue Käufe

500 Millionen Dollar will Strive laut CoinDesk über eine neue ewige Vorzugsaktie aufnehmen.

Diese Zahl erzählt mehr als die übliche Geschichte vom nächsten Bitcoin-Kauf, denn sie holt die Krypto-Wette zurück in die sehr alte Welt von Rangfolgen, Dividendenlasten und Verwässerung.

Man kann Bitcoin für die Abkehr vom Papiergeld halten. Strive finanziert den Zukauf dennoch mit einem Papier, das jedem Bankier des 19. Jahrhunderts sofort vertraut wäre. Es heißt SATS, soll laut CoinDesk zu 100 Dollar je Aktie ausgegeben werden und trägt eine feste Dividende von 15 Prozent. Das ist kein Bruch mit der Wall Street. Es ist ihre Wiederkehr in digitalem Gewand.

Die Bitcoin-Wette bekommt wieder einen Zinszettel

Die feste Dividende ist der unscheinbare Teil der Nachricht und zugleich der aufschlussreiche. Bitcoin selbst zahlt keinen Zins. Er hat keine Kupons, keine Gewinne, keine Bilanz, aus der Ausschüttungen fließen. Wer ihn in eine börsennotierte Treasury-Struktur einbaut, muss diese Leerstelle füllen.

Strive füllt sie mit einer Vorzugsaktie. Eine solche Aktie steht wirtschaftlich näher am Fremdkapital als an der gewöhnlichen Aktie, auch wenn sie rechtlich Eigenkapital sein kann. Der Inhaber bekommt einen bevorzugten Anspruch auf Ausschüttungen. Der Emittent erhält Geld, ohne sofort eine normale Schuldverschreibung auszugeben.

Damit tritt die alte Schwerkraft wieder auf. Eine 15-Prozent-Dividende ist keine poetische Fußnote. Sie ist eine laufende Hürde. Je höher der zugesagte Ertrag für das Kapital, desto mehr muss die Struktur leisten, bevor die Geschichte für die Stammaktionäre erfreulich bleibt.

Die Rangfolge ist keine Nebensache

CoinDesk berichtet, dass die neue SATS-Vorzugsaktie unterhalb der bereits bestehenden ewigen Vorzugsaktie SATA stehen soll. SATA hat demnach einen variablen Satz, der derzeit bei 13 Prozent liegt. Das klingt nach Prospekttechnik. In Wahrheit ist es der Kern der Konstruktion.

Kapitalstruktur bedeutet: Wer steht im Regen zuerst unter dem Dach, und wer wartet draußen. SATS steht nach SATA. Die Stammaktionäre stehen wiederum hinter den Vorzugsaktionären. Wenn alles gut läuft, wirkt diese Reihenfolge wie Verwaltungsdetail. Wenn der Bitcoin-Preis fällt oder das Kapital teurer wird, wird sie zur politischen Ordnung des Unternehmens.

Zwei Lager
Die Bullen sagen

Strive nutzt ein bekanntes Finanzierungsinstrument, um seinen Bitcoin-Bestand zu erhöhen, ohne sofort Stammaktien auszugeben. Die Dividendenreserve verschafft Zeit.

Die Bären halten dagegen

Eine feste Dividende von 15 Prozent ist eine teure Verpflichtung. Wenn Bitcoin nicht genug Wertzuwachs liefert, frisst die Kapitalstruktur den Glanz der Treasury-Erzählung.

Die Mode an der Börse nennt solche Konstruktionen gern innovativ. Das ist schmeichelhaft formuliert. Bevor die Kryptoindustrie ihren Wortschatz erfand, gab es schon Vorzugsaktien, Wandelpapiere, Nachrang und Reservetöpfe. Die Namen ändern sich. Die Frage, wer am Ende bezahlt wird, bleibt höflich altmodisch.

Die Dividendenreserve kauft Zeit, aber keine Gewissheit

Strive will laut CoinDesk beim Abschluss des Angebots genug Geld zurücklegen, um die ersten 18 Monate Dividenden auf SATS zu finanzieren. Das ist klug. Es ist auch verräterisch.

Die Reserve nimmt den ersten Druck aus der Struktur. Sie sagt den Käufern des neuen Papiers: Die ersten Ausschüttungen hängen nicht sofort an der Laune des Bitcoin-Kurses. Doch dieselbe Reserve zeigt, dass die Ausschüttung nicht aus Bitcoin selbst kommt. Sie kommt aus Kapital, das vorher eingesammelt wurde, oder aus anderen Vermögenswerten, die Erträge liefern sollen.

CoinDesk nennt als mögliche Verwendung der Erlöse neben Bitcoin-Käufen auch den Erwerb einkommensbringender Vermögenswerte oder Aktienrückkäufe. Schon diese Liste macht die Geschichte weniger rein, als sie im Krypto-Schaufenster erscheint. Der Bitcoin-Käufer sammelt Kapital ein, verspricht eine hohe Dividende, legt einen Teil als Polster beiseite und behält sich mehrere Verwendungen offen.

Das ist nicht anrüchig. Es ist Finanzwesen. Nur sollte man es auch so nennen.

Der Bestand wächst, die Rechnung wächst mit

Der stärkste Einwand gegen Skepsis liegt offen auf dem Tisch. Strive wächst tatsächlich. Laut CoinDesk kaufte das Unternehmen in der vergangenen Woche 3.311 Bitcoin hinzu. Der Bestand stieg damit auf 32.773 Bitcoin im Wert von rund 2,7 Milliarden Dollar. Vor drei Monaten lag er noch unter 20.000 Bitcoin.

Das ist kein kleiner Sprung. CoinDesk hebt zudem hervor, dass Strive seinen Bitcoin-Bestand zuletzt deutlich erhöhen konnte, während viele andere Bitcoin-Treasury-Unternehmen diese Dynamik nicht zeigen. Auch der größere Vergleichsname Strategy wird in diesem Zusammenhang genannt.

Gerade deshalb lohnt der nüchterne Blick. Wachstum des Bestands ist die sichtbare Seite. Die Finanzierung ist die Rückseite. Wenn ein Unternehmen Bitcoin mit immer neuen Kapitalbausteinen kauft, zählt nicht nur die Zahl der Coins. Es zählt, zu welchen Bedingungen sie in die Bilanz kommen.

Die alte Börse hatte für solche Lagen ein schlichtes Gedächtnis. Vermögenswerte steigen, und die Kapitalstruktur wirkt genial. Vermögenswerte fallen, und dieselbe Struktur wirkt plötzlich schwer. Der Unterschied liegt selten im Prospekt. Er liegt im Preis des Vermögenswerts und im Preis des Geldes.

Strive zeigt damit weniger die Befreiung von der Wall Street als ihre Fortsetzung mit anderen Symbolen. Bitcoin bleibt der Vermögenswert der Erzählung. Die Vorzugsaktie ist die Maschine, die diese Erzählung vorfinanziert. Ob diese Maschine elegant läuft oder ächzt, hängt an einer Frage, die kein Tickerkürzel beantwortet: Reicht der künftige Wertzuwachs des Bitcoin-Bestands aus, um die zugesagte Kapitalrendite und die Rangfolge der Ansprüche dauerhaft zu tragen?

Leser-Barometer

„Strives Bitcoin-Wette zeigt, dass Krypto-Treasurys ohne klassische Wall-Street-Finanzierung kaum noch wachsen.“

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