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Aktien lbn / DFN-Redaktion · 27. October 2026, 16:31 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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DoorDash und Instacart würden Amazon und Walmart beim Einkauf angreifen

Ein möglicher 17-Milliarden-Dollar-Deal wirkt wie eine Lieferdienst-Fusion. Tatsächlich ginge es um Daten, Werbung und den Zugang zum Wocheneinkauf.

Illustration: DoorDash und Instacart würden Amazon und Walmart beim Einkauf angreifen

Als das Wall Street Journal nach Darstellung von MarketWatch von fortgeschrittenen Gesprächen berichtete, stand sofort eine Zahl im Raum: rund 17 Milliarden Dollar für Instacart. Auf dem Papier wäre es ein möglicher Deal zwischen DoorDash und Instacart, zwei Firmen, die Bestellungen an Haustüren bringen. An der Börse klingt das nach Lieferdienst-Fusion. In der Mechanik geht es um etwas anderes. Wer den digitalen Wocheneinkauf kontrolliert, sieht früher, was Haushalte brauchen, kann Werbung näher an den Kaufmoment rücken und entscheidet mit, wer die letzte Meile bezahlt.

MarketWatch fasst die Lesart der Analysten knapp zusammen. Ein möglicher Zusammenschluss drehe sich darum, mit Walmart und Amazon Schritt zu halten. Diese Formulierung ist weniger harmlos, als sie klingt. Sie sagt: DoorDash und Instacart vergleichen sich nicht mehr nur mit anderen Liefer-Apps. Sie messen sich an zwei Händlern, die den Einkauf, die Daten und die Logistik in einem System bündeln.

Aus zwei Liefer-Apps würde ein Zugang zum Wocheneinkauf

DoorDash steht für den schnellen Bedarf. Instacart steht für den geplanten Einkauf. Die Unterscheidung wirkt sauber, bis man sie aus Sicht eines Haushalts betrachtet. Dort verschwimmen Essen, Getränke, Drogerieartikel und Vorräte längst in einer App-Gewohnheit. Wer den Bestellknopf besitzt, sitzt näher am Kunden als der Händler, der die Ware im Regal hat.

Genau hier läge der Reiz eines Deals. DoorDash würde nicht einfach mehr Fahrer, mehr Bestellungen oder mehr Städte kaufen. Instacart brächte einen anderen Moment in den Tag der Nutzer. Der Restaurantabend ist spontan. Der Wocheneinkauf ist wiederkehrend. Aus Sicht einer Plattform ist Wiederholung wertvoller als Aufmerksamkeit für einen Abend, weil sie Gewohnheiten baut.

Laut MarketWatch berichtete das Wall Street Journal von fortgeschrittenen Gesprächen. Das ist noch kein Abschluss. Es reicht aber, um die strategische Stoßrichtung sichtbar zu machen. DoorDash und Instacart könnten zusammen versuchen, die Einkaufsliste vor Amazon und Walmart abzufangen. Der eigentliche Wettbewerb beginnt damit nicht an der Haustür, sondern in dem Moment, in dem ein Nutzer entscheidet, welche App er öffnet.

Die letzte Meile ist nur die sichtbare Kostenstelle

Die letzte Meile ist der Abschnitt vom Laden, Lager oder Restaurant bis zur Haustür. Sie ist teuer, personalintensiv und anfällig für schlechte Laune: Stau, fehlende Produkte, Wartezeit, falsche Adresse. Eine größere Plattform kann dort helfen, weil mehr Bestellungen in dichter besiedelten Gebieten leichter gebündelt werden können. Das erklärt aber nur den unteren Teil der Rechnung.

Der obere Teil heißt Nachfrage. Wer Nachfrage bündelt, verkauft nicht nur Lieferung. Er verkauft Platz im digitalen Regal. Bei Lebensmitteln und Alltagswaren ist dieser Platz besonders wertvoll, weil Marken dicht nebeneinanderliegen und Kunden oft kurz vor dem Kauf entscheiden. Werbung direkt am Warenkorb ist härter als Werbung irgendwo im Netz. Sie trifft den Moment, in dem Geld bereits unterwegs ist.

Damit verschiebt sich der Blick auf Instacart. Der mögliche Wert von rund 17 Milliarden Dollar, den das Wall Street Journal laut MarketWatch nennt, lässt sich nicht allein über Liefergebühren erklären. Er spiegelt auch die Hoffnung, dass der digitale Wocheneinkauf eine Werbefläche mit Kaufabsicht bleibt. Dort zählt nicht nur, ob ein Joghurt geliefert wird. Es zählt, wer den Joghurt in der App zuerst zeigt.

Marktstand
DoorDash172.73 $+2.55 %
Instacart60.10 $−1.28 %
Amazon251.66 $+1.03 %
Walmart119.32 $−0.81 %

Amazon und Walmart setzen die Messlatte höher als jeder Lieferdienst

Analysten sagten laut MarketWatch, ein möglicher Deal sei vor allem eine Antwort auf Walmart und Amazon. Das ist der Teil, den der Markt leicht unterschätzt. Gegen kleinere Lieferdienste gewinnt man mit mehr Reichweite. Gegen Amazon und Walmart reicht Reichweite nicht. Beide Rivalen verbinden Handel, Kundenbeziehung, Logistik und Werbung. Sie haben nicht nur Fahrer oder Lager. Sie haben den Anlass, aus dem Kunden überhaupt einkaufen.

Für DoorDash und Instacart wäre ein Zusammenschluss deshalb ein Versuch, eine ähnliche Schwerkraft zu erzeugen. Der Nutzer soll nicht überlegen, ob er beim Händler, beim Marktplatz oder beim Lieferdienst beginnt. Er soll bei der App beginnen. Von dort aus kann die Plattform Händler, Marken und Lieferkapazität sortieren. Wer diesen Startpunkt besitzt, kann die Regeln des Einkaufs mitprägen.

Das erklärt auch, warum die Geschichte größer ist als eine klassische Konsolidierung. Viele Fusionen in schwächeren Branchen folgen derselben Logik: zwei Anbieter legen Kosten zusammen, schließen Lücken und hoffen auf Preismacht. Hier wäre der Einsatz breiter. DoorDash und Instacart würden versuchen, aus Lieferung eine Einkaufsinfrastruktur zu machen. Das ist schwerer, aber strategisch wertvoller.

Größe löst nicht das härteste Problem

Der Deal hätte trotzdem eine unbequeme Schwachstelle. Größe ersetzt keinen Einkaufsvorteil. Wenn Kunden bei Amazon oder Walmart starten, weil dort Preis, Verfügbarkeit und Lieferung als Gesamtpaket überzeugen, hilft einer kombinierten App nur begrenzt, dass sie größer ist als vorher. Der Kampf entscheidet sich nicht nur über Fahrer auf der Straße. Er entscheidet sich über Vertrauen im Warenkorb.

Auch die Händlerseite bleibt empfindlich. Plattformen wollen Daten, Sichtbarkeit und Gebühren. Händler wollen den Kunden nicht verlieren. Je stärker eine App den digitalen Eingang zum Wocheneinkauf kontrolliert, desto größer wird die Frage, wer am Ende die Kundendaten, die Werbung und die Marge behält. Eine Lieferplattform kann Partner sein. Sie kann aber auch zur Mautstelle werden.

Darum ist die 17-Milliarden-Dollar-Zahl mehr als ein Preisschild. Sie ist eine Wette darauf, dass der Wocheneinkauf weiter aus dem Laden in die App wandert und dass dort ein unabhängiger Vermittler noch Platz zwischen Kunden und den großen Händlern findet. Walmart und Amazon sind nicht die Randfiguren dieser Geschichte. Sie sind der Maßstab, an dem der mögliche Deal scheitert oder Sinn ergibt.

Wenn DoorDash und Instacart zusammengehen, wäre das kein größerer Lieferdienst mit mehr Strecke auf der Karte. Es wäre der Versuch, den Supermarktbesuch in eine App zu verlegen, bevor Amazon und Walmart diesen Eingang endgültig besetzen.

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„Ein Zusammenschluss von DoorDash und Instacart wäre vor allem ein Angriff auf Amazon und Walmart im digitalen Wocheneinkauf.“

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