Deutsche-Finanznachrichten.de
KurseTuesday, 13. October 2026
Rohstoffe & Devisen nlf / DFN-Redaktion · 13. October 2026, 10:35 Uhr · 4 Min. Lesezeit
Teilen

Euro steigt auf 1,1189 Dollar. Hohe US-Inflation würde den Dollar stärken

Die Euro-Erholung bleibt dünn: Frankreichs Schulden und höhere US-Renditen drücken. Der Verbraucherpreisbericht muss den Dollar-Vorteil entkräften.

Illustration: Euro steigt auf 1,1189 Dollar. Hohe US-Inflation würde den Dollar stärken

Die Euro-Erholung kaschiert ein Zinsproblem, das am Mittwoch nicht mit Stimmung gelöst wird. EUR/USD steigt am Vormittag auf 1,1189 Dollar, doch der Test liegt bei den US-Verbraucherpreisen und einer erwarteten Jahresinflation von 3,6 Prozent.

Der Wechselkurs sieht damit robuster aus, als seine Treiber sind. Der Euro bekommt kurzfristig Luft, weil nach den jüngsten Verlusten Gegenbewegungen naheliegen. Das ändert wenig an der Frage, ob Dollar-Anlagen nach Inflation weiter mehr bieten als Euro-Anlagen. Genau dort sitzt der Druck.

Die Euro-Erholung startet aus einer klaren Schwäche

Der Anstieg am Vormittag steht nicht im luftleeren Raum. Laut tagesschau.de rutschte der Euro zuletzt immer wieder unter die Marke von 1,12 Dollar. Im Januar hatte der Kurs zeitweise noch über 1,20 Dollar gelegen. Eine Bewegung zurück an 1,12 Dollar ist deshalb erst einmal Reparatur, kein Befreiungsschlag.

Die europäische Seite liefert dem Euro wenig Rückenwind. tagesschau.de verweist auf politische Unsicherheiten in Frankreich und Spanien sowie auf Sorgen über hohe Staatsschulden in Europa. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, sagte der ARD-Finanzredaktion: „Das haben uns die Franzosen eingebrockt.“ Gemeint sind die französischen Staatsfinanzen. Frankreich weist laut tagesschau.de aktuell eine Staatsverschuldung von 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf.

Das ist für den Devisenmarkt mehr als ein innenpolitisches Problem. Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Wenn Investoren Haushaltsrisiken dort sehen, stellen sie schnell die alte Euro-Frage neu. Brzeski beschrieb genau diesen Reflex: Anleger sähen neben Frankreich auch Länder mit hoher Staatsverschuldung wie Italien, Griechenland und Belgien, selbst wenn deren Haushaltspositionen nach seiner Einschätzung besser seien.

Die Zahl dahinter
3,6 Prozent

Diese erwartete US-Jahresinflation macht den Verbraucherpreisbericht am Mittwoch zum Zinstest für EUR/USD.

Der Realzins macht den Dollar schwer angreifbar

Der Realzins ist der Zins nach Abzug der Inflation. Für Devisen zählt er, weil Anleger Währungen nicht nur nach Schlagzeilen halten. Sie vergleichen, was nach Kaufkraftverlust übrig bleibt. Bleibt die US-Inflation hoch, kann der nominale Zins attraktiv aussehen, ohne dass die Fed viel Entspannung liefern muss. Fällt die Inflation klarer, verliert der Dollar einen Teil dieses Schutzes.

Darum ist der Mittwochstest härter als die Euro-Bewegung am Vormittag. Eine erwartete Jahresrate von 3,6 Prozent ist kein Inflationsniveau, bei dem die Fed leichten Herzens locker wird. Der Markt kann auf kurze Sicht auf eine Zinspause hoffen. Er muss aber neu rechnen, wenn die Daten zeigen, dass Energiepreise und Preissetzungsmacht die Inflation länger hoch halten.

n-tv berichtet, dass anziehende Ölpreise und die unsichere Lage im Nahen Osten die Stimmung an der Wall Street belasteten. Zudem verweist n-tv auf jüngst auf ein 24-Jahres-Hoch gestiegene Renditen, weil hohe Energiepreise Inflationssorgen schürten. Der US-Rentenmarkt war wegen Columbus Day geschlossen. Gerade deshalb wurde der Anleihemarkt nicht zur Entwarnungsmaschine. Die Renditefrage blieb im Raum stehen.

Die nächsten Termine
  • Wed 14.10., 14:30 Uhr: USA – Kernrate Verbraucherpreise (Monat) (erwartet 0,2 % nach 0,3 % zuvor)
  • Wed 14.10., 14:30 Uhr: USA – Core CPI y/y (erwartet 2,5 % nach 2,4 % zuvor)
  • Wed 14.10., 14:30 Uhr: USA – Verbraucherpreise (Monat) (erwartet 0,6 % nach 0,4 % zuvor)
  • Wed 14.10., 14:30 Uhr: USA – Verbraucherpreise (Jahr) (erwartet 3,6 % nach 3,4 % zuvor)

Frankreich und Spanien schwächen die Euro-Seite

Der Euro braucht für eine tragfähige Erholung zwei Dinge zugleich: weniger Druck vom Dollar und weniger Zweifel an Europa. Der erste Teil hängt am US-Inflationsbericht. Der zweite Teil bleibt politisch offen.

In Frankreich stehen laut tagesschau.de im Frühjahr 2027 Präsidentschaftswahlen an. Das Ergebnis ist offen, ebenso die Frage, was es für Europa bedeuten würde. Spanien liefert einen zweiten Unsicherheitsherd. Dort eskalierte laut tagesschau.de der Streit über die Wohnungsmarktpolitik. Regierungschef Pedro Sánchez kündigte daraufhin eine vorgezogene Parlamentswahl im November an.

Devisenmärkte bestrafen solche Risiken selten sauber und langsam. Sie arbeiten mit Abkürzungen. Haushaltsstreit in Frankreich, Wahlen in Spanien, hohe Schuldenquoten in mehreren Ländern: Aus vielen einzelnen Meldungen wird schnell ein Risikoaufschlag für den Euro. Der aktuelle Kursanstieg löscht diesen Aufschlag nicht. Er überdeckt ihn nur, solange der Dollar selbst nicht stärker wird.

Wall Street ist ein Signal für den Devisenmarkt

Die US-Aktienmärkte lieferten zuletzt keine klare Entwarnung. n-tv berichtet, dass der Dow Jones vor dem Start der Berichtssaison um 0,4 Prozent auf 51.851 Punkte zulegte. Der Nasdaq gab zugleich um 0,4 Prozent auf 27.246 Punkte nach. Der S&P 500 schloss nahezu unverändert bei 7.807 Punkten. Unter der Oberfläche war der Markt also vorsichtig, nicht euphorisch.

Das passt zum Devisenbild. Wenn Anleger vor Unternehmenszahlen und Inflationsdaten vorsichtig werden, steigt der Wert liquider Dollar-Positionen. Der Dollar muss dann nicht glänzen. Es reicht, wenn Alternativen verwundbarer wirken.

Clark Bellin von Bellwether Wealth sagte laut n-tv, die Berichtssaison werde zeigen, wie Unternehmen KI einsetzen und davon profitieren. Wichtig sei außerdem, ob Firmen ihre Preissetzungsmacht behalten oder erhöhen und wie sie mit gestiegenen Kreditkosten umgehen. Diese Punkte klingen nach Aktienanalyse. Für den Wechselkurs sind sie trotzdem relevant. Preissetzungsmacht kann Inflation stabilisieren. Kreditkosten bestimmen, wie stark höhere Zinsen in der Wirtschaft bremsen.

Das Gegenargument reicht nur bis zur nächsten Inflationszahl

Es gibt ein ernstes Gegenargument gegen die Dollar-Stärke. Wenn die US-Inflation schwächer ausfällt, sinkt der Druck auf die Fed. Dann könnte der Markt wieder stärker auf Zinssenkungsfantasie, bessere Risikostimmung und eine Entlastung für Europa setzen. In diesem Szenario würde die Euro-Erholung nicht nur wie eine technische Gegenbewegung aussehen.

Doch dieses Gegenargument braucht Daten. Der Euro kann politische Schwäche zeitweise ignorieren, wenn der Dollar nachgibt. Er kann sie schwer ignorieren, wenn der US-Realzins hoch bleibt und Europas Risikoaufschlag parallel steigt. Genau deshalb trägt die Bewegung auf 1,1189 Dollar weniger Aussagekraft, als der erste Blick nahelegt.

Der konkrete Marker ist der US-Verbraucherpreisbericht am Mittwoch mit der erwarteten Jahresrate von 3,6 Prozent. Bleibt die Inflation dort hartnäckig, war die Euro-Erholung vor allem Tageslaune vor einem Zinstest.

nlf.
Teilen
Illustration: Warum schaltet NFT-Marktplatz Blur nach dem Volumencrash ab?
Wissen

Warum schaltet NFT-Marktplatz Blur nach dem Volumencrash ab?

Blur macht die Website dicht, doch die Ethereum-Verträge bleiben. Der Fall trennt Besitznachweis von Marktliquidität und räumt mit NFT-Illusionen auf.

Illustration: KI-Betrug: Gefälschte Chefs werden zum Bilanzrisiko
Wissen

KI-Betrug: Gefälschte Chefs werden zum Bilanzrisiko

Deepfakes im Videocall klingen nach Kuriosität. Für Firmen werden sie ernst, wenn falsche Identitäten Zahlungen, Datenzugriffe und Haftung auslösen.