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Krypto mkr / DFN-Redaktion · 16. October 2026, 13:03 Uhr · 4 Min. Lesezeit
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Kryptowährung XRP: Größe ersetzt im Kryptomarkt keine Knappheit

XRP zählt zu den größten Kryptowerten und liegt weit unter dem Hoch von 2018. Der Fall zeigt, warum Reichweite bei Altcoins kein Preismodell ersetzt.

Illustration: Kryptowährung XRP: Größe ersetzt im Kryptomarkt keine Knappheit

XRP ist der Beweis, dass Größe im Kryptomarkt ein schlechter Ersatz für Knappheit ist. Laut CoinDesk handelt XRP um 1,33 Dollar und liegt damit 62,5 Prozent unter seinem Hoch von 3,55 Dollar aus Anfang Januar 2018.

Das ist für einen Coin dieser Größe eine eher unhöfliche Erinnerung an die Marktwirtschaft. XRP gehört laut CoinDesk zu den fünf größten Kryptowerten nach Marktwert. Viele Halter haben also nicht irgendeinen obskuren Token gekauft, der nach drei Telegram-Gruppen und einem schlechten Logo wieder verschwand. Sie kauften einen bekannten Namen, eine laute Community und die Erzählung vom Zahlungsverkehr der Zukunft. Das Ergebnis für Käufer am alten Hoch: fast neun Jahre Warten und noch immer kein neuer Wohlstand.

Der alte Krypto-Satz stimmt bei XRP nicht

Im Kryptomarkt gibt es eine einfache Trostformel: Wer lange genug hält, gewinnt gegen die eigene Nervosität. Bei Bitcoin passte diese Formel oft. Bei XRP passte sie bisher nicht. CoinDesk rechnet vor, dass Bitcoin 314 Prozent über seinem Hoch vom Dezember 2017 steht. Ether liegt 66 Prozent über seinem damaligen Hoch. Dogecoin notiert laut CoinDesk 322 Prozent über seinem Hoch von Januar 2018, BNB sogar rund 2.800 Prozent darüber.

XRP steht dagegen weit unter seinem alten Gipfel. Ja, der Token sprang laut CoinDesk im Juli 2025 kurz auf 3,66 Dollar und damit über das alte Hoch. Danach brach er wieder ein. Das ist die unangenehme Version eines Ausbruchs: Er existiert im Chart, aber nicht im Vermögen vieler geduldiger Käufer.

„Ein großer Coin ist noch kein knappes Gut. Er ist erst einmal ein großer Coin.“

Zum Mitnehmen

Mehr Token machen jede Erfolgsgeschichte schwerer

Analysten führen die Schwäche laut CoinDesk unter anderem auf einen starken Anstieg der umlaufenden Menge zurück. Die umlaufende Menge sind jene Token, die tatsächlich am Markt verfügbar sind. Wenn diese Menge wächst, braucht der Preis mehr neue Nachfrage, nur um denselben Kurs zu halten. Das ist keine Kryptomagie. Das ist Arithmetik mit Logo.

Bei Bitcoin ist die Erzählung brutal einfach: begrenztes Angebot, hohe Wiedererkennbarkeit, ein Markt, der jede vierjährige Verknappung zum religiösen Ereignis ausbaut. XRP hat diese Klarheit nicht. Der Coin besitzt eine Community, aber keine ähnlich knappe Geschichte. Eine Community kann laut sein. Sie kann Threads schreiben, Memes produzieren und Kritiker für begriffsstutzig halten. Sie kann aber keine dauerhaften Käufer ersetzen, wenn diese Käufer anderswo bessere Geschichten finden.

CoinDesk nennt außerdem schwache Mittelzuflüsse und sinkende Handelsaktivität als Belastung. Mittelzuflüsse sind frisches Geld, das in Fonds, Produkte oder direkt in den Markt geht. Wenn sie fehlen, bleibt die Community unter sich. Das ist gemütlich, aber für Kurse selten ausreichend.

Ripple löst ein Problem, aber nicht das Anlegerproblem

Die XRP-Erzählung hängt eng an Ripple und dem Zahlungsverkehr. Das klingt seriöser als viele Kryptogeschichten, was in diesem Markt manchmal schon ein Nachteil ist. Zahlungen sind ein reales Problem. Banken, Unternehmen und grenzüberschreitende Transfers sind reale Felder. Nur entsteht aus einem realen Problem nicht automatisch eine starke Wertlogik für den Token.

CoinDesk berichtet, Ripple habe sich auf Zahlungen konzentriert. Zugleich habe XRP nur begrenzte Verbindung zu beliebten Kryptosektoren. Genau dort liegt die Reibung. Krypto belohnt oft nicht die sauberste Infrastruktur, sondern die knappste, einfachste und am besten wiederholbare Geschichte. DeFi, Memecoins, Staking, Bitcoin als Wertspeicher: Das sind Erzählungen, die Käufer in zwei Sätzen weitererzählen können. XRP verlangt mehr Geduld und mehr institutionelle Fantasie. Der Markt hat beides, nur selten gleichzeitig.

Zwei Lager
Die Bullen sagen

XRP hat einen bekannten Namen, eine große Halterbasis und einen klaren Anwendungsfall im Zahlungsverkehr.

Die Bären halten dagegen

Ohne starke Mittelzuflüsse, wachsende Nutzung und eine knappe Erzählung bleibt Größe vor allem ein Etikett.

Das stärkste Gegenargument hat nur kurz gehalten

Das faire Gegenargument lautet: XRP war nicht einfach schwach, XRP wurde gebremst. CoinDesk nennt jahrelange regulatorische Unsicherheit durch den SEC-Fall als Belastung. Diese Unsicherheit hat Nachfrage gedämpft, Produkte erschwert und die Geschichte komplizierter gemacht. Wer einen Coin erklären muss, beginnt im Verkaufsgespräch schon mit Rückstand.

Der Einwand zählt. Er erklärt aber nicht alles. Andere große Kryptowährungen hatten ebenfalls Krisen, Verbote, Börsenpleiten, technische Brüche und regulatorische Angriffe im Umfeld. Manche überlebten diese Phasen mit einer stärkeren These. XRP überlebte sie mit einem bekannten Namen und einem Kurs, der alte Käufer noch immer an 2018 erinnert.

Genau deshalb ist XRP für den Altcoin-Markt so nützlich. Der Coin zeigt, dass Marktkapitalisierung nicht dasselbe ist wie Preisdruck nach oben. Ein großer Bestand an Haltern kann auch bedeuten, dass viele auf bessere Ausstiegspunkte warten. Eine lange Geschichte kann Vertrauen schaffen. Sie kann aber auch Ballast sein, wenn jede Rally alte Enttäuschung an die Oberfläche holt.

Im Kryptomarkt gewinnt nicht automatisch der Coin mit der größten Fangemeinde. Es gewinnt der Coin, bei dem Angebot, Erzählung und neue Käufer gleichzeitig arbeiten. XRP erinnert daran: Ohne knappe Wertlogik wird aus Größe vor allem Geduld.

mkr.
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