Staatsgeld kann Mieten verteuern, wenn dem Bau Leistung fehlt

Das DIW Berlin beschreibt ein Problem, das politisch unbequem ist: Der Staat kann Milliarden in Straßen, Schulen und Wohnungen lenken, aber die Bauwirtschaft muss daraus erst reale Quadratmeter machen. Laut n-tv kommt eine DIW-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zu dem Schluss, dass die Branche deutlich unproduktiver arbeitet als vor 15 Jahren. Wenn diese Lücke bleibt, wird Förderung nicht automatisch zu mehr Angebot. Sie kann zuerst die Rechnung auf der Baustelle erhöhen.
Das klingt gegen den Instinkt. Wohnungsmangel sieht nach zu wenig Geld aus. Also soll mehr Geld helfen. Doch am Bau entscheidet nicht nur die Finanzierung. Es zählt, wie viele Fachkräfte, Maschinen, Genehmigungen und koordinierte Arbeitsschritte tatsächlich verfügbar sind. Trifft zusätzliches Staatsgeld auf knappe Kapazitäten, konkurrieren öffentliche und private Auftraggeber um dieselben Betriebe. Dann steigt nicht zwingend die Menge. Oft steigt der Preis.
Mehr Nachfrage baut noch keine Wohnung
Förderprogramme erhöhen die Zahlungsfähigkeit. Sie machen aus politischem Willen konkrete Aufträge. Das ist wichtig, wenn Projekte sonst liegen bleiben. Aber ein Auftrag ist noch kein fertiges Gebäude. Zwischen beiden stehen Planer, Ämter, Handwerker, Material, Bauleitung und Zeit.
Arbeitsproduktivität heißt hier schlicht: Wie viel Bauleistung entsteht pro Arbeitsstunde. Laut n-tv lag diese Produktivität im Baugewerbe 2025 nahezu 30 Prozent unter dem Niveau von 2010. Das ist keine kleine Schwankung. Es ist ein Verlust an Fähigkeit, aus knappen Stunden sichtbare Leistung zu machen.
Studienautor Martin Gornig sagt laut n-tv: „Die Bauwirtschaft muss ihre Kapazitäten ausweiten, damit die milliardenschweren öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur nicht die Preise treiben.“ Der zweite Teil des Satzes ist der harte Kern. Der Staat kann Nachfrage schaffen. Er kann Kapazität nicht per Überweisung herbeibeschließen.
- Warum kann Förderung Preise erhöhen? Weil sie zusätzliche Nachfrage erzeugt, wenn Betriebe und Arbeitskräfte bereits knapp sind.
- Was misst Produktivität am Bau? Sie misst, wie viel reale Bauleistung mit einer Arbeitsstunde entsteht.
- Warum betrifft das Mieten? Höhere Baukosten müssen in Projekten irgendwo getragen werden, oft über Preise, Zuschüsse oder spätere Mieten.
Die Produktivitätslücke macht Förderung teuer
Das DIW sieht den Negativtrend laut n-tv über alle Bausparten und Unternehmensgrößen hinweg. Das ist wichtig. Es geht nicht nur um einzelne schlecht geführte Betriebe oder eine Nische. Wenn kleine und große Firmen, Hochbau und andere Sparten zugleich schwächer werden, spricht das für ein strukturelles Problem.
Seit der Corona-Pandemie und durch den Zins- und Kostenschock nach dem Ukraine-Krieg habe sich die Entwicklung beschleunigt, berichtet n-tv über die Studie. Diese Abfolge erklärt viel. Baustellen wurden teurer, Finanzierung wurde härter, Personal blieb knapp. Firmen reagierten nicht mit einem großen Produktivitätssprung. Viele arbeiteten unter mehr Druck mit weniger Spielraum.
Eine historische Zahl zeigt, wie teuer dieser Stillstand ist. Nach einer Simulationsrechnung mit Unternehmensdaten könnte die Bauleistung laut n-tv um rund zwölf Prozent höher liegen, wenn weniger produktive Betriebe zu den besseren Unternehmen aufschließen würden. Das entspräche der Leistung von knapp 350.000 zusätzlichen Beschäftigten. In einer Branche mit Fachkräftemangel ist das keine akademische Größe. Es ist die Baukapazität, die politisch ständig gesucht wird.
Langsame Verfahren wirken wie ein Preisaufschlag
Produktivität hängt nicht nur an Robotern oder Software. Sie hängt auch an Wiederholung, klaren Verfahren und verlässlichen Abläufen. Jede Verzögerung bindet Kapital und Personal. Jede Umplanung frisst Stunden. Jede unklare Zuständigkeit macht aus einem Bauprojekt eine Warteschleife.
Darum reichen Subventionen allein selten. Sie können sogar verdecken, wo der Engpass liegt. Wenn ein Projekt nur durch höhere Zuschüsse aufgeht, kann das sinnvoll sein. Es kann aber auch bedeuten, dass ein ineffizientes System weitergefüttert wird. Der Preis steigt, weil alle Beteiligten lernen, dass am Ende neues Geld gesucht wird.
Am Wohnungsmarkt landet diese Mechanik spät, aber spürbar. Ein Bauträger kalkuliert Grundstück, Baukosten, Zinsen, Risiko und erwartete Einnahmen. Wenn die Baukosten steigen, sinkt die Zahl der Projekte, die sich überhaupt rechnen. Was gebaut wird, braucht höhere Verkaufspreise, höhere öffentliche Zuschüsse oder höhere Mieten. Der Mieter sieht am Ende eine Monatsrate. Dahinter steht oft eine lange Kette kleiner Produktivitätsverluste.
- Fri 23.10., 09:15 Uhr: Euroraum – French Flash Manufacturing PMI (erwartet 50,5 nach 50,3 zuvor)
- Fri 23.10., 09:15 Uhr: Euroraum – French Flash Services PMI (erwartet 50,7 nach 51,4 zuvor)
- Fri 23.10., 09:30 Uhr: Euroraum – German Flash Manufacturing PMI (erwartet 53,5 nach 53,8 zuvor)
- Fri 23.10., 09:30 Uhr: Euroraum – German Flash Services PMI (erwartet 52,5 nach 52,9 zuvor)
Was Beobachter an Baupolitik prüfen sollten
Die erste Frage lautet nicht, wie groß ein Fördertopf ist. Wichtiger ist, ob er zusätzliche Bauleistung auslöst. Eine Milliarde Euro kann viel sein, wenn Verfahren schneller werden und Firmen mehr Output schaffen. Dieselbe Milliarde kann wenig bewirken, wenn sie nur höhere Gebote finanziert.
Darum verdienen drei Punkte mehr Aufmerksamkeit als große Summen in Pressemitteilungen: verkürzte Planungs- und Genehmigungswege, digitale Abläufe in Betrieben und Verwaltung sowie Bauweisen, die Wiederholung erlauben. Das DIW nennt laut n-tv weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung und neue Roboter als mögliche Hebel. Diese Begriffe klingen trocken. Genau dort liegt aber der Unterschied zwischen Geld und gebauter Fläche.
Das stärkste Gegenargument ist fair. Ohne staatliche Förderung würden manche Wohnungen und Infrastrukturprojekte gar nicht entstehen. Gerade bei hohen Zinsen kann öffentliches Geld Projekte stabilisieren. Doch diese Stütze löst den Engpass nur, wenn sie mehr Kapazität freilegt. Sonst verschiebt sie die Rechnung.
Der Wohnungsmangel ist deshalb auch ein Produktivitätsproblem. Wer nur Geld in ein langsames System gibt, bekommt oft ein teureres langsames System.
„Staatliche Bauförderung wirkt nur dauerhaft, wenn sie die Produktivität der Branche erhöht.“







