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Wissen skl / DFN-Redaktion · 15. September 2026, 16:34 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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Vorsorgedepots werden billiger. Der Kundenzugang wird teurer

Null-Euro-Depots drücken Gebühren. Doch bei Orderwegen, Fondslisten und Sparplänen entscheidet sich, wer an der neuen Altersvorsorge verdient.

Illustration: Vorsorgedepots werden billiger. Der Kundenzugang wird teurer

Das billigere Vorsorgedepot macht Altersvorsorge nicht automatisch einfach.

n-tv berichtet, dass Deka ein Standardprodukt für das neue Altersvorsorgedepot zu 0,1 Prozent des Depotwerts im Jahr anbieten will. Bei 1.000 Euro wären das 1 Euro pro Jahr für Depot- und Zulagenverwaltung sowie Produktkosten. Das klingt nach einer sauberen Verbraucher-Geschichte. Endlich sinken die sichtbaren Gebühren. Endlich unterbieten sich Anbieter. Endlich zahlt Wettbewerb aus.

Nur beginnt Ihre eigentliche Prüfung genau dort, wo das Preisschild auf Null oder fast Null fällt. Ein Vorsorgedepot ist kein Geldbeutel mit Etikett. Es ist ein Zugang zu Ihrem künftigen Sparverhalten. Wer diesen Zugang kontrolliert, beeinflusst Orderwege, Fondslisten, Sparpläne, Wechselhürden und die Frage, welche Produkte Ihnen zuerst begegnen.

Gratis ist nur die sichtbarste Schicht der Kosten

Produktverkäufer werden Ihnen den neuen Wettbewerb gern als Gebührenrevolution erklären. Der Satz stimmt im engen Sinn. Laut n-tv hat der Neobroker Scalable Capital den Preiskampf mit einem kostenfreien Depot eröffnet. Für die eingesetzten Fonds sollen aber Kosten von bis zu 0,15 Prozent anfallen. Smartbroker will ebenfalls ein kostenfreies Depot anbieten und die Kosten der enthaltenen ETFs für drei Jahre erstatten.

Diese Konditionen sind niedriger als das, was viele Sparer aus alten Vorsorgeprodukten kennen. Sie verändern aber nicht die Grundmechanik. Anbieter müssen Technik, Regulierung, Abwicklung, Service und Vertrieb finanzieren. Wenn die Depotgebühr fällt, wandert der Wettbewerb an andere Stellen. Er läuft über die Fondsauswahl, die Standardlösung im Sparplan, mögliche Zusatzangebote und über den Handelsweg.

Der Handelsweg klingt trocken, verdient aber Ihre Aufmerksamkeit. Eine Order kann über verschiedene Plätze laufen. Für Sie zählt am Ende nicht nur die explizite Gebühr, sondern auch der Preis, zu dem gekauft oder verkauft wird. Der Spread, also die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis, kann bei Wertpapierkäufen mehr ausmachen als eine schön aussehende Depotzeile.

Kurz beantwortet
  1. Warum fallen die Preise so stark? Banken, Fondsgesellschaften und Neobroker wollen früh den Zugang zu den neuen Altersvorsorgedepots besetzen.
  2. Ist ein Null-Euro-Depot automatisch das billigste Angebot? Nicht zwingend, weil Fondsentgelte, Handelswege und spätere Bedingungen ebenfalls zur Kostenrechnung gehören.
  3. Welche Falle droht psychologisch? Der Ankereffekt lenkt den Blick auf die große Null und macht kleinere, dauerhafte Kosten leichter übersehbar.

Wer Ihr Depot führt, besitzt den wertvollen Kundenkontakt

Das neue Altersvorsorgedepot soll ab dem Jahreswechsel eingerichtet werden können. Das Gesetz ist laut n-tv bereits in Kraft und soll die staatlich geförderte private Altersvorsorge neu aufstellen. Genau deshalb ist der erste Zugriff so wertvoll. Altersvorsorge ist kein Einmalgeschäft. Sie schafft lange Kundenbeziehungen, regelmäßige Sparraten und viele Daten über Einkommen, Risikobereitschaft und Lebensplanung.

Deka spielt hier einen anderen Vorteil aus als ein Neobroker. Wer das Angebot nutzen will, muss laut n-tv Kunde einer Sparkasse sein oder werden. Das Sparkassenlager bringt also nicht nur einen Preis in den Markt. Es bringt Filialnähe, bestehende Kontoverbindungen und Vertrauen aus alten Bankbeziehungen mit. Neobroker kontern mit Einfachheit, niedrigen Preisen und digitalem Tempo.

Smartbroker liefert ein gutes Beispiel dafür, wie günstig und gebunden zugleich auftreten können. Laut n-tv erstattet der Anbieter die ETF-Kosten drei Jahre lang. Wer sich den Rabatt dauerhaft sichern möchte, muss mindestens 15-mal im Jahr ein Wertpapier handeln. Das ist keine Nebensache. Ein Vorsorgeprodukt soll regelmäßiges Sparen ermöglichen. Eine Bedingung, die an Handelsaktivität hängt, verändert den Charakter des Angebots.

Hier arbeitet eine bekannte Verhaltensfalle gegen Sie. Viele Menschen reagieren stärker auf einen sofort sichtbaren Vorteil als auf eine spätere Einschränkung. Die Null am Anfang fühlt sich konkret an. Die Frage nach Bedingungen in drei Jahren wirkt abstrakt. Verlustaversion verstärkt das noch. Wer einmal einen Rabatt besitzt, empfindet dessen Ende oft wie einen Verlust.

Die Riester-Erfahrung mahnt zur zweiten Rechnung

Die Riester-Rente ist das naheliegende historische Beispiel aus der deutschen Altersvorsorge. Viele Gespräche drehten sich lange um Förderung, Zulagen und Steuervorteile. Die weniger bequemen Fragen kamen oft später: Welche Kosten stecken im Vertrag? Wie flexibel ist ein Wechsel? Welche Produkte liegen wirklich im Mantel? Wie sehr bestimmt der Anbieter die Auswahl?

Das neue Vorsorgedepot kann vieles besser machen, gerade weil Fonds und ETFs transparenter wirken als klassische Vertragskonstruktionen. Doch Transparenz entsteht nicht automatisch durch ein Depot. Sie entsteht erst, wenn der Sparer vergleichen kann, was er wirklich nutzt. Dazu gehören die laufenden Produktkosten, die Breite der Fondslisten, die Regeln für Sparpläne und die Frage, ob ein Anbieter bestimmte Produkte besonders prominent platziert.

Rückschaufehler werden in einigen Jahren sehr verführerisch sein. Dann wird irgendjemand behaupten, man habe sofort sehen können, welches Modell das verbraucherfreundlichste war. Heute kann man das nicht. Heute sieht man nur die Eintrittspreise und die ersten Bedingungen. Der Rest zeigt sich im Alltag: bei Fondswechseln, Sparplanänderungen, Orderausführung und Service, wenn etwas nicht glattläuft.

„Null Euro sind ein Preisetikett, keine vollständige Kostenrechnung.“

Zum Mitnehmen

Was das für Beobachter heißt

Wenn Sie den Markt nüchtern betrachten, stellen Sie nicht zuerst die bequemste Frage. Fragen Sie nicht nur: Was kostet das Depot? Fragen Sie: Welche Fonds stehen zur Wahl? Wie hoch sind die laufenden Kosten der Produkte? Gibt es Bedingungen für Rabatte? Was passiert nach drei Jahren? Wie leicht lässt sich der Anbieter wechseln? Welche Handelsplätze nutzt die Plattform?

Auch die Fondslisten verdienen mehr Aufmerksamkeit als die Schlagzeilen. Eine breite Auswahl kann wertvoll sein. Eine zu breite Auswahl kann aber den Herdentrieb füttern, weil Menschen dann gern dem folgen, was prominent erscheint oder gerade beworben wird. Ein enges, gutes Angebot kann helfen. Ein enges, interessengeleitetes Angebot kann schaden. Von außen sehen beide anfangs ähnlich aus.

Trade Republic wollte laut n-tv auf Anfrage noch keine Konditionen nennen. Das ist in dieser Phase fast so interessant wie ein niedriger Preis. Solange große Anbieter ihre Karten nicht offenlegen, ist der Preiskampf unvollständig. Der Markt testet gerade, ob Sparer stärker auf Gebühren, Markenvertrauen oder App-Komfort reagieren.

Der faire Blick auf das Altersvorsorgedepot bleibt deshalb zweigeteilt. Ja, niedrige Preise sind ein Fortschritt. Nein, sie erledigen nicht die Frage, wer am Ende die Regeln der Beziehung bestimmt. Deka benennt den sichtbaren Teil dieses Wettbewerbs sehr klar: „Wir sind sehr günstig und wettbewerbsfähig aufgestellt“, sagte Deka-Vertriebschef Dirk Peters laut n-tv.

skl.
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