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Krypto mkr / DFN-Redaktion · 25. September 2026, 13:03 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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2 Fed-Vorschläge für Stablecoins: Reserven strenger, Renditen weg

Die US-Notenbank setzt beim Stablecoin-Gesetz an Reserven und Erträgen an. Anerkennung gibt es, aber das freieste Verkaufsargument wird kleiner.

Illustration: 2 Fed-Vorschläge für Stablecoins: Reserven strenger, Renditen weg

2025 bekam die Stablecoin-Branche in Washington, was sie lange verlangt hatte: ein Gesetz mit Namen GENIUS Act. Eine bemerkenswerte Eigenschaft von Finanzgesetzen ist, dass sie Freiheitsrhetorik in Formularsprache übersetzen. Ein Jahr später liefert die Fed die Übersetzung. Laut CoinDesk hat die US-Notenbank am Donnerstag zwei Regelvorschläge vorgelegt, mit denen sie ihren Teil der Stablecoin-Aufsicht unter dem GENIUS Act umsetzen will. Das klingt nach Legalisierung. Es riecht aber nach Banklizenz, nur mit besserem Marketing.

Die Zahl dahinter
60 Tage

So lange läuft laut CoinDesk die öffentliche Kommentierungsfrist für die neuen Fed-Vorschläge zum GENIUS Act.

Der entscheidende Tausch ist simpel. Stablecoins bekommen einen verlässlicheren Rechtsrahmen. Dafür verlieren sie einen Teil jener Wildwest-Ökonomie, die sie für viele Nutzer interessant gemacht hat. Die Regulierung macht den Dollar-Token nicht verschwinden. Sie macht ihn vertrauter, prüfbarer und langweiliger. In der Finanzgeschichte ist das meistens ein Erfolg. In der Kryptogeschichte gilt es schnell als Zumutung.

Die Anerkennung kommt mit Aufsicht

Die Fed-Vorschläge betreffen laut CoinDesk zwei große Blöcke. Erstens soll ein rechtliches Sicherheitsnetz hinter den ausgegebenen Stablecoins entstehen. Zweitens sollen Verfahren festgelegt werden, nach denen Fed-regulierte Banken Stablecoins ausgeben können. Das ist mehr als technische Verwaltung. Es verschiebt Stablecoins aus der Grauzone in eine Welt, in der Zuständigkeiten, Reserven und Verbote zählen.

Der GENIUS Act verlangte nach Darstellung von CoinDesk, dass US-Bankenaufsicht und Finanzministerium bis Juli 2026 entsprechende Regeln schaffen. Diese Frist ist bereits verstrichen. Die Behörden sind also spät dran, was in Washington als fast schon sportliche Pünktlichkeit durchgeht. Trotzdem haben sie in den vergangenen Monaten Fortschritte gemacht. Die Fed zieht nun an einer Stelle nach, die für den Markt besonders empfindlich ist: der Frage, ob Stablecoin-Halter eine Rendite bekommen dürfen.

Hier beginnt die eigentliche Umwertung. Stablecoins wurden lange als bessere digitale Dollar verkauft. Schneller, programmierbarer, rund um die Uhr nutzbar. Das war der brave Teil der Geschichte. Der weniger brave Teil war die Renditefantasie. Wenn ein Emittent echte Dollar oder Staatsanleihen hält, entstehen Erträge. Irgendjemand bekommt sie. Die Branche tat gern so, als sei das eine technische Frage. Die Aufsicht behandelt es wie eine Bankfrage.

Der Rendite-Mythos stößt an die Zinsverbote

CoinDesk berichtet, dass ein Teil der Fed-Vorschläge die umstrittenen Stablecoin-Belohnungen regelt. Die Fed orientiert sich dabei eng an einem Vorschlag des Office of the Comptroller of the Currency. Dieser Vorschlag betrifft das gesetzliche Verbot, dass Emittenten Zinsen oder Renditen für das Halten von Stablecoins zahlen.

Besonders interessant ist der Umweg. Die Fed schrieb laut CoinDesk, bestimmte Konstruktionen mit Dritten würden voraussichtlich als verbotene Zins- oder Renditezahlungen gelten. Übersetzt: Es reicht nicht, wenn der Emittent selbst keine Zinsen zahlt, aber ein Partner die ökonomisch gleiche Belohnung in anderer Verpackung verteilt. Die Aufsicht kennt diese Nummer. Die Finanzbranche hat sie auch nicht erst mit Blockchains erfunden.

Damit trifft die Regulierung den Kern des Geschäfts. Ein Stablecoin-Emittent kann an den Reserven verdienen, solange diese Erträge nicht einfach als Zinsprodukt an die Halter durchgereicht werden. Das macht Stablecoins für den Zahlungsverkehr seriöser. Es macht sie aber auch weniger geeignet für das alte Versprechen: Halte digitale Dollar und bekomme nebenbei etwas, das wie Bankzins aussieht, nur ohne die Bank.

Die Ironie ist sauber gebaut. Die Branche wollte rechtliche Anerkennung, weil große Nutzer ohne Regeln nicht kommen. Nun kommen die Regeln und nehmen genau die Mehrdeutigkeit, aus der manche Geschäftsmodelle ihre Marge zogen. Legalität ist in der Finanzwelt selten kostenlos. Man bezahlt sie mit Offenlegung, Grenzen und einem langsameren Puls.

Die CFTC öffnet die Technik, aber nicht die Bilanz

Parallel sendet eine andere US-Behörde ein freundlicheres Signal an die Token-Welt. Laut CoinDesk hat die Commodity Futures Trading Commission unter ihrem Vorsitzenden Mike Selig neue Leitlinien zu Tokenisierung und Blockchain-Aufzeichnungen veröffentlicht. Die CFTC erklärt demnach, dass regulierte Firmen Kundengelder in tokenisierte Formen von Vermögenswerten investieren können, sofern diese Vermögenswerte schon in traditioneller Form zulässig sind.

Auch hier steckt die Einschränkung im Kleingedruckten, also an der Stelle, an der Finanzinnovation regelmäßig erwachsen wird. Laut CoinDesk verlangt die CFTC, dass die tokenisierte Form dem Halter rechtliche und wirtschaftliche Rechte gewährt, die den Rechten am traditionellen Vermögenswert entsprechen oder funktional gleichwertig sind. Der Token darf also modern aussehen. Er soll aber nicht heimlich etwas anderes sein.

Die CFTC geht zudem bei Aufzeichnungen weiter. CoinDesk berichtet, dass die Behörde keine Einwände erheben würde, wenn ein beaufsichtigtes Unternehmen Blockchain- oder Distributed-Ledger-Technologie nutzt, um Onchain-Aufzeichnungen zu erstellen und regulatorische Aufbewahrungspflichten zu erfüllen. Das ist ein wichtiger Satz, weil er die Technik nicht mehr als exotischen Sonderfall behandelt.

Für Stablecoins ist die Botschaft trotzdem nüchterner, als sie auf den ersten Blick wirkt. Die Behörden erlauben mehr Blockchain im Maschinenraum. Sie erlauben damit nicht automatisch mehr bilanziellen Zauber. Tokenisierung wird als Form akzeptiert, solange der Inhalt sauber bleibt. Wer darin eine Revolution sieht, sollte den Satz zweimal lesen. Die Revolution hat ein Formular angehängt bekommen.

Die Branche bekommt Legalität zum Preis der Langeweile

Der Konsens im Kryptomarkt liest Regulierung oft binär. Verbot ist schlecht, Anerkennung ist gut. Bei Stablecoins ist diese Rechnung zu grob. Anerkennung kann die Nachfrage institutioneller Nutzer stärken, weil Rechtsrisiken sinken. Gleichzeitig kann sie die Differenz zwischen Stablecoin und Bankeinlage verkleinern. Wenn der Token rechtlich, ökonomisch und operativ immer stärker wie ein Bankprodukt behandelt wird, bleibt als Innovation vor allem die technische Schiene.

Das ist nicht wenig. Ein digitaler Dollar, der rund um die Uhr zwischen Plattformen bewegt werden kann, hat praktischen Wert. Aber der wilde Teil der Erzählung schrumpft. Die Fed-Vorschläge legen nahe, dass Stablecoins im US-System nicht als renditestarke Schatteneinlage geduldet werden sollen. Sie sollen als regulierte Zahlungs- und Abwicklungsinstrumente funktionieren. Wer die alte Krypto-Romantik sucht, findet dort weniger Futter.

Das stärkste Gegenargument lautet: Ohne klare Regeln bleibt der Markt klein, anfällig und abhängig von Vertrauensbehauptungen. Diese Sicht ist ernst zu nehmen. Große Zahlungsströme brauchen Rechtssicherheit, und Reserven brauchen Kontrolle. Die Frage ist nur, wer dann noch die Renditeerzählung besitzt. Wenn Emittenten die Erträge aus Reserven behalten und Halter keine Zinsen bekommen dürfen, wandert der ökonomische Vorteil in die Mitte des Systems. Aus Dezentralisierung wird dann ein sehr traditioneller Satz: Die Infrastruktur verdient.

Die neuen US-Regeln könnten Stablecoins größer machen. Sie könnten sie zugleich entzaubern. Der Stablecoin wird legaler, indem er weniger Krypto und mehr Bank wird.

Abstimmung

„Die US-Regulierung macht Stablecoins eher sicherer als innovativer.“

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mkr.
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