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Wissen skl / DFN-Redaktion · 25. September 2026, 10:34 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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Superreiche Anleger: Teure Berater schlagen den Index selten

MarketWatch rechnet vor: Selbst die 400 reichsten Amerikaner wären zuletzt mit einem S&P-500-Indexfonds besser gefahren. Der Grund ist unbequem.

Illustration: Superreiche Anleger: Teure Berater schlagen den Index selten

MarketWatch hält den 400 reichsten Amerikanern einen Spiegel vor. Laut MarketWatch hätten sie in den vergangenen zwölf Monaten gemeinsam besser abgeschnitten, wenn sie ihr Vermögen schlicht in einen S&P-500-Indexfonds gelegt hätten. Das ist für eine Gruppe mit besten Kontakten, hoch bezahlten Beratern und exklusiven Angeboten ein nüchterner Befund. Er kratzt an einer beliebten Erzählung: Wer reich genug ist, kauft sich an der Börse automatisch einen Vorsprung.

Sie werden diese Erzählung kennen. Sie klingt vernünftig, weil sie aus anderen Lebensbereichen stammt. Bessere Ärzte, bessere Anwälte, bessere Schulen kosten mehr und liefern oft mehr. An der Börse gilt diese Logik nur begrenzt. Ein teurer Zugang kann Informationen schneller liefern. Er kann Produkte öffnen, die anderen verschlossen bleiben. Er kann Steuern und Strukturfragen glätten. Er hebt aber die Grundrechnung des Marktes nicht auf.

Der Gegner ist nicht der Kleinanleger, sondern der ganze Markt

Wer den Markt schlagen will, tritt gegen alle anderen an, die dasselbe versuchen. Dazu gehören Fondsmanager, Pensionskassen, Hedgefonds, Banken, Family Offices und Computermodelle. Viele davon arbeiten mit denselben Daten, ähnlichen Modellen und denselben Nachrichten. Wenn eine Aktie heute als günstig gilt, steht auf der anderen Seite jemand, der sie zu diesem Preis verkauft. Beide können klug sein. Einer von beiden irrt sich trotzdem.

Das ist der harte Teil, den Verkaufsgespräche gern weichzeichnen. Der Markt ist vor Kosten im Durchschnitt der Besitz aller Anleger. Wer mehr als dieser Durchschnitt verdienen will, braucht jemanden, der weniger verdient. Nach Kosten wird die Summe für die aktiven Teilnehmer schlechter. Gebühren, Handelskosten, Steuern und interne Produktkosten verschwinden nicht, nur weil der Kunde sehr vermögend ist.

„Reichtum kauft Zugang. Er kauft keine Ausnahme von der Mathematik des Marktes.“

Zum Mitnehmen

Ein S&P-500-Indexfonds ist hier kein Wundermittel, sondern der Vergleichsmaßstab. Er bildet einen breiten US-Aktienindex ab und verlangt in der Regel wenig Entscheidung vom Anleger. Genau deshalb ist der Vergleich für viele aktive Strategien so unangenehm. Der Index muss keine Manager bezahlen, keine Story verkaufen und keine Heldenerzählung pflegen. Er nimmt schlicht den Marktdurchschnitt, abzüglich niedriger Kosten.

Exklusive Produkte lösen ein anderes Problem

Sehr Reiche bekommen Angebote, die normalen Sparern selten begegnen. Private Equity, Kreditfonds, strukturierte Produkte, direkte Beteiligungen und maßgeschneiderte Mandate klingen nach einer besseren Liga. Manche davon können sinnvoll strukturiert sein. Manche bieten Zugang zu Risiken, die an der Börse nicht täglich sichtbar sind. Doch exklusiv bedeutet zuerst: schwerer vergleichbar.

Genau dort wird es gefährlich für das Urteil. Wenn ein Produkt nur vierteljährlich bewertet wird, schwankt es scheinbar weniger. Wenn Gebühren über mehrere Ebenen verteilt sind, wirken sie kleiner. Wenn die Vergleichsgröße unklar bleibt, kann fast jedes Ergebnis nachträglich gut aussehen. Der Rückschaufehler hilft dabei. Nach einem guten Jahr wirkt die Entscheidung logisch, die vorher unsicher war.

MarketWatch berichtet über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Das ist kein endgültiges Urteil über jede Strategie reicher Familien. Es ist aber ein gutes historisches Beispiel für die Tücke des Vorsprungs. Selbst in einer Gruppe mit enormen Ressourcen kann das einfache Indexergebnis am Ende stärker sein als die Summe vieler Einzelentscheidungen. Der Befund ist nicht glamourös. Genau deshalb ist er nützlich.

Die Kosten arbeiten leise, aber täglich

Bei großen Vermögen fallen Gebühren in absoluten Beträgen kaum ins Auge, weil die Basis groß ist. Ein Prozent klingt klein, wenn das Gespräch in Millionen geführt wird. Über Jahre wird daraus eine Hürde, die der Manager erst überspringen muss, bevor der Kunde überhaupt besser als der Markt dasteht. Dazu kommen Transaktionskosten, Spreads und mögliche Steuerfolgen. Jede zusätzliche Ebene braucht eine Begründung.

Produktverkäufer werden selten mit Mathematik beginnen. Sie beginnen mit Zugang, Knappheit und Namen. Das spricht zwei alte Reflexe an: Herdentrieb und Verlustaversion. Wenn andere Reiche angeblich in dasselbe Vehikel gehen, will niemand draußen stehen. Wenn ein Berater einen Schutz vor dem nächsten Abschwung verspricht, klingt die Versicherung wertvoll, selbst wenn ihr Preis kaum sichtbar ist.

Der faire Einwand lautet: Reiche Anleger verfolgen oft andere Ziele als den Index. Sie wollen Vermögen über Generationen sichern, Steuern planen, Stiftungen finanzieren oder Einzelrisiken vermeiden. Ein Ergebnis unterhalb des S&P 500 kann dafür bewusst akzeptiert werden. Dann ist die Frage aber eine andere. Es geht dann um Risikosteuerung und Struktur, nicht um die Behauptung, den Markt zuverlässig zu schlagen.

Kurz beantwortet
  1. Warum hilft Reichtum an der Börse nur begrenzt? Weil höhere Mittel zwar Zugang kaufen, aber nicht die Konkurrenz aller anderen Profis ausschalten.
  2. Warum ist der Indexvergleich so streng? Weil ein breiter Index die Durchschnittsleistung des Marktes abbildet und nur geringe Kosten trägt.
  3. Welche Falle trifft auch sehr Vermögende? Erfolgreiche Einzelfälle bleiben im Gedächtnis, während Gebühren und gescheiterte Wetten leise verschwinden.

Was Beobachter aus dem Reichtums-Test lernen

Für Beobachter zählt weniger, ob ein Vermögender einmal richtig lag. Interessanter ist die Wiederholbarkeit. Hat eine Strategie über mehrere Marktphasen funktioniert, oder nur in einem Umfeld? Wurde sie mit dem passenden Index verglichen? Sind alle Kosten enthalten? Wurde das Risiko mitgemessen, oder nur die Rendite erzählt?

Diese Fragen schützen vor einer einfachen Verwechslung. Ein sehr reicher Mensch kann sehr klug sein und trotzdem ein durchschnittlicher Investor. Ein teurer Berater kann nützliche Arbeit leisten und trotzdem keine Überrendite erzeugen. Eine exklusive Strategie kann zu einem bestimmten Vermögen passen und trotzdem kein Beweis für Marktschläue sein.

MarketWatchs Befund über die 400 reichsten Amerikaner trifft deshalb mehr als eine kleine Elite. Er zeigt, wie hart die Börse jeden Vorsprung prüft. Wenn selbst enorme Vermögen nach zwölf Monaten gegen einen schlichten S&P-500-Indexfonds alt aussehen können, bleibt für jeden Anleger dieselbe präzise Frage offen: Welche konkrete Leistung wird hier bezahlt, die der Markt nicht schon günstiger liefert?

skl.
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