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Aktien okl / DFN-Redaktion · 5. October 2026, 19:31 Uhr · 4 Min. Lesezeit
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US-Gewinne: Die Rally hängt jetzt am Fed-Protokoll

Corporate America startet laut MarketWatch so zuversichtlich wie nie in die Berichtssaison. Bei 3,75 Prozent Leitzins prüft nun die Fed die Rechnung.

Illustration: US-Gewinne: Die Rally hängt jetzt am Fed-Protokoll

Corporate America hat ein altes Börsenproblem: Es muss gute Gewinne nicht nur melden, sondern gegen einen Leitzins von 3,75 Prozent verteidigen. Laut MarketWatch beginnt in dieser Woche die Berichtssaison zum dritten Quartal. Mehr Unternehmen als je zuvor hätten sich dabei optimistisch zu ihren künftigen Gewinnen geäußert, berichtet MarketWatch. Das klingt nach Stärke. Es riecht aber auch nach einer sehr vertrauten Börsenübung: Man bezahlt heute großzügig für morgen und hofft, dass die Fed morgen nicht teurer macht.

Während die Wall Street handelt, liegt der S&P 500 bei 7.772 Punkten und gewinnt 0,64 Prozent. Die Bewegung passt zum Ton der Unternehmen. Der Markt nimmt die Gewinnlaune nicht als Fußnote, sondern als Erlaubnis zur Fortsetzung der Rally. Genau dort wird die Sache heikel. Steigende Gewinne tragen Aktienkurse nur dann weit, wenn der Zins ihnen nicht die Luft nimmt.

Die Gewinnsaison beginnt mit ungewöhnlich viel Zuversicht

MarketWatch beschreibt die Stimmung in der amerikanischen Unternehmenswelt als historisch heiter. „Corporate America has never been this upbeat about future profits“, lautet die Zuspitzung des Berichts. Übersetzt in Börsensprache: Die Unternehmen liefern dem Markt jene Erzählung, die er am liebsten hört. Die Kosten sind beherrschbar. Die Nachfrage hält. Die Margen sollen nicht verenden, sondern wachsen.

Das ist nicht belanglos. Gewinnschätzungen sind die stillen Träger jeder Aktienrally. Wer höhere Gewinne erwartet, kann höhere Kurse leichter rechtfertigen. Der Kurs-Gewinn-Multiple, also der Preis für einen Dollar Gewinn, wirkt dann weniger keck. Die Rechnung schmeichelt dem Käufer: Wenn der Nenner wächst, erscheint der Zähler weniger aufgeblasen.

Nur liegt in dieser Rechnung eine feine Unhöflichkeit. Sie behandelt Unternehmensgewinne wie eine betriebliche Angelegenheit. In Wahrheit sind sie auch ein geldpolitischer Gegenstand. Bei niedrigen Zinsen wirkt fast jedes Gewinnversprechen erhaben. Bei 3,75 Prozent Leitzins bekommt jedes Versprechen einen Prüfvermerk.

Bei 3,75 Prozent wird Optimismus zum Zins-Trade

Der Zins bewertet Zeit. Ein Gewinn in drei Jahren ist bei hohem Zins weniger wert als derselbe Gewinn bei niedrigem Zins. Diese Abzinsung klingt nach Rechnungswesen, ist aber Börsenalltag. Je weiter die Anleger künftige Gewinne in die Gegenwart ziehen, desto stärker hängt ihr Preis am Leitzins.

Darum ist die Rekordlaune der Unternehmen zweischneidig. Wenn die Berichtssaison die Erwartungen bestätigt, kann sie die Rally stützen. Wenn sie nur die Erwartungen wiederholt, wird sie mager. Der Markt hat die Zuversicht bereits vorweggenommen. Er braucht dann mehr als freundliche Worte aus den Vorstandsetagen.

Die unangenehme Frage lautet, ob der Markt Margen kauft oder Zinsfantasie. Bei einem Leitzins von 3,75 Prozent ist der Unterschied nicht akademisch. Ein Unternehmen kann solide wachsen und seine Aktie dennoch anfällig bleiben, wenn die Fed den Pfad sinkender Zinsen in Zweifel zieht. Umgekehrt kann schon ein milder Ton der Fed reichen, um dieselben Gewinnprognosen plötzlich wertvoller erscheinen zu lassen.

Die nächsten Termine
  • Wed 07.10., 20:00 Uhr: USA – Fed-Protokoll
  • Thu 08.10., 10:30 Uhr: USA – FOMC Member Waller Speaks
  • Thu 08.10., 14:30 Uhr: USA – Erstanträge Arbeitslosenhilfe (erwartet 200K nach 197K zuvor)
  • Fri 09.10., 16:00 Uhr: USA – Verbrauchervertrauen (Uni Michigan) (erwartet 47,6 nach 47,8 zuvor)

Das Fed-Protokoll prüft die schönste Annahme der Rally

Damit hängt die Gewinnsaison an einem Dokument, das selbst keine einzige Maschine verkauft und keinen einzigen Vertrag unterschreibt. Das Fed-Protokoll wird zum Prüfstein, weil es den Markt an die Kosten seiner Lieblingsgeschichte erinnert. Die Unternehmen mögen laut MarketWatch optimistischer denn je auf ihre künftigen Gewinne blicken. Die Fed entscheidet nicht über diese Gewinne. Sie entscheidet aber über den Satz, mit dem der Markt diese Gewinne bewertet.

In freundlichen Marktphasen heißt es gern, vieles sei „eingepreist“. Das ist ein schönes Wort, weil es die Unsicherheit in eine erledigte Buchung verwandelt. Tatsächlich wird an der Börse ständig neu gepreist. Ein Protokoll, das mehr Sorge über Inflation oder eine längere Phase restriktiver Zinsen erkennen lässt, würde die Gewinnrally anders einfärben. Die gleichen Quartalszahlen könnten dann weniger glänzen.

Der Mechanismus ist schlicht. Erstens: Höhere Gewinnerwartungen heben die fundamentale Messlatte. Zweitens: Ein höherer oder länger hoher Leitzins senkt den heutigen Wert künftiger Gewinne. Drittens: Wenn beides gleichzeitig steigt, gewinnt nicht automatisch der Optimismus. Dann zählt, welche Größe schneller steigt: der Gewinnpfad oder der Diskontsatz.

Das erklärt, warum ein scheinbar trockener geldpolitischer Text zum Börsenereignis werden kann. Das Protokoll muss keine neue Zinserhöhung versprechen, um Druck auszulösen. Es reicht, wenn es die Geduld der Fed betont. Geduld ist an der Börse ein hübsches Wort für teures Warten.

Das Gegenargument: Unternehmen können die Zinsen überverdienen

Die Bullen haben ein ernstes Argument. Wenn die Unternehmen ihre Margen tatsächlich ausweiten, wenn Umsatz und Kostendisziplin zugleich tragen, dann kann der Gewinnanstieg den Zinsdruck überdecken. In dieser Lesart wirkt die Fed zwar schwer, aber nicht schwer genug. Corporate America hätte dann die alte Kunst bewiesen, aus teurem Geld noch teurere Gewinne zu machen.

Diese Sicht verdient Respekt. Die amerikanische Börse hat oft besser verdient, als ihre Skeptiker erlaubten. Historisch war es gefährlich, nur auf den Zins zu starren und die Anpassungsfähigkeit großer Unternehmen zu unterschätzen. Auch 2023 und 2024 wirkten manche Bewertungsniveaus früh übermütig, bevor Gewinne und wenige sehr große Aktien einen Teil der Skepsis zum Schweigen brachten.

Doch gerade deshalb ist die jetzige Lage empfindlich. Wenn laut MarketWatch mehr Unternehmen als je zuvor Zuversicht zu ihren künftigen Ergebnissen äußern, sinkt der Überraschungswert guter Nachrichten. Die Latte liegt hoch, und hohe Latten sind selten ein Geschenk. Eine starke Berichtssaison müsste mehr liefern als das, was die Unternehmen schon versprochen haben.

Der Schluss ist nüchtern. Die Aktienrally lebt derzeit von der Annahme, dass Corporate America mehr verdient und die Fed diese Gewinne nicht mit einem zu strengen Zinsmaßstab kürzt. Fällt eine Seite dieser Gleichung aus, bleibt von der Rekordlaune weniger übrig als von mancher Marktgewissheit am Morgen danach.

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„Die US-Aktienrally hängt stärker am Fed-Protokoll als an den Gewinnmeldungen.“

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