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Krypto mth / DFN-Redaktion · 28. September 2026, 19:33 Uhr · 4 Min. Lesezeit
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Warum hilft Binance Circle im Stablecoin-Kampf gegen Tether?

Circle bekommt von Binance Reichweite, nicht nur Kapital. Der Deal legt offen, warum Stablecoins künftig wie Finanzinfrastruktur behandelt werden.

Illustration: Warum hilft Binance Circle im Stablecoin-Kampf gegen Tether?

100 Millionen Dollar steckt Binance laut CoinDesk in Circle-Aktien. Die Zahl wirkt klein neben Kryptomilliarden, aber sie erzählt, wo der Stablecoin-Krieg geführt wird: im Vertrieb.

Circle kämpft mit USDC gegen Tethers USDT, also gegen den älteren und in vielen Märkten tiefer verankerten Dollar-Token. Stablecoins sind digitale Token mit Wertbindung an eine Währung, meist den US-Dollar. Ihr Versprechen klingt technisch. Ihr Erfolg hängt aber oft an Gewohnheit, Handelspaaren und daran, welche Börse einen Token an die sichtbarste Stelle legt.

Der neue Binance-Deal verschiebt deshalb mehr als nur Anteile zwischen zwei Krypto-Firmen. Er zeigt, dass Stablecoins aus der Nische der Trader herauswachsen. Wer den digitalen Dollar kontrollieren will, braucht nicht die eleganteste Technik allein. Er braucht Börsen, Zahlungswege, Liquidität und eine Sprache, die auch Regulierer und institutionelle Kunden verstehen.

Binance verkauft Circle vor allem Zugang

Laut CoinDesk umfasst die Vereinbarung nicht nur den Einstieg von Binance bei Circle. Beide Unternehmen haben auch einen fünfjährigen kommerziellen Vertrag geschlossen, der USDC auf der Binance-Plattform fördern und integrieren soll. Für Circle ist das keine Randnotiz. Binance sitzt dort, wo viele Nutzer ihre ersten Preisvergleiche, Transfers und Trades durchführen.

Die Wirkung zeigt sich bereits in den Zahlen. Als Circle und Binance ihre erste Partnerschaft im Dezember 2024 ankündigten, bot Binance laut Kaiko 140 Spotmärkte mit USDC-Notierung an. Inzwischen sind es 329. Davor war der Zuwachs deutlich langsamer: von 39 Märkten im Jahr 2021 auf 140 bis Ende 2024.

Auch das Handelsvolumen hat reagiert. Laut CoinDesk lag das monatliche USDC-Volumen auf Binance vor der Partnerschaft im Bereich von 20 bis 40 Milliarden Dollar. Seitdem hat es sich ungefähr verdoppelt. Das ist kein Beweis für einen Sieg über Tether. Es ist aber ein Beleg dafür, wie schnell sich Marktanteile bewegen können, wenn eine große Börse die Wege neu beschildert.

Zwei Lager
Die Bullen sagen

Binance richtet seine eigenen Interessen stärker an Circle aus. Der Einstieg und der Fünfjahresvertrag machen USDC sichtbarer und leichter nutzbar.

Die Bären halten dagegen

Tether besitzt in vielen lokalen Märkten tiefere Liquidität und eingespielte Nutzergewohnheiten. Diese Routinen wechseln selten über Nacht.

Tethers Vorsprung sitzt in den Gewohnheiten

In der Krypto-Welt gibt es zwei Stämme, die selten dieselbe Sprache sprechen. Der eine Stamm schaut auf Emittenten, Reserven, Börsenverträge und Regulierung. Der andere fragt nur, welcher Token gerade am schnellsten ankommt, am engsten gepreist ist und in lokalen Märkten akzeptiert wird.

Genau dort liegt Tethers Schutzwall. Der CEO des Market Makers Gravity Labs sagte laut CoinDesk, Tether profitiere weiter von tiefer lokaler Liquidität und langjährigen Nutzergewohnheiten. Liquidität bedeutet hier: Käufer und Verkäufer finden schnell zueinander, ohne dass der Preis stark verrutscht. Für viele Händler zählt das stärker als ein sauberer Pitch aus dem Konferenzraum.

Dieser Vorsprung hat eine kulturelle Seite. USDT ist in vielen Handelsroutinen der Standard. Händler denken in USDT, quotieren in USDT und parken Kapital in USDT. Ein neuer Vertrag mit Binance kann diese Rituale stören. Er löscht sie aber nicht.

Der Kampf wandert von der Börse in die Infrastruktur

Circles Chance liegt deshalb nicht darin, Tether nur als besseren Token zu attackieren. Der bessere Angriff ist die Einbettung in Plattformen. Owen Lau von Clear Street sagte CoinDesk, der Binance-Deal gleiche die Interessen von Binance stärker mit denen von Circle ab und erinnere an das Distributor-Aktionär-Modell von Circle und Coinbase.

Das klingt trocken. Es ist aber die Strukturfrage. Wenn eine Börse zugleich Vertriebspartner und Anteilseigner ist, wird der Stablecoin Teil der eigenen Architektur. Er steht dann nicht einfach neben anderen Token im Regal. Er kann in Gebührenmodelle, Handelspaare, Zahlungsflüsse und institutionelle Produkte einwandern.

Andere Krypto-Firmen bewegen sich in dieselbe Richtung. CoinDesk berichtet über Payward, die Mutter von Kraken, die in den vergangenen zwei Jahren Milliarden für Übernahmen ausgegeben hat. Ziel waren unter anderem Futures und Derivate, tokenisierte Aktien sowie zusätzliche Bankfähigkeiten in den USA und Europa. Payward-Co-Chef Arjun Sethi beschreibt das Vorhaben als gemeinsame Infrastruktur für Handel, Banking, Vermögensverwaltung und Dienstleistungen für andere Unternehmen.

Damit verändert sich auch die Rolle von Stablecoins. Sie werden weniger als Spekulationszubehör behandelt und stärker als Abrechnungsschicht. Wer verschiedene Produkte unter einem Dach bündelt, braucht einen stabilen Dollar-Baustein, der überall funktioniert.

Worauf jetzt achten
  • USDC-Paare auf Binance: Die Zahl 329 ist der erste harte Marker dafür, wie aggressiv Binance den Token in den Handel einbaut.
  • USDC-Monatsvolumen: Kaiko sieht bereits eine ungefähre Verdopplung. Die nächste Frage ist, ob daraus dauerhafte Nutzung wird.
  • USDT in lokalen Märkten: Tethers Stärke hängt an Liquidität und Gewohnheiten. Dort entscheidet sich, wie langsam oder schnell Nutzer wechseln.

Regulierung wird zum Vertriebsargument

Der Binance-Deal hilft Circle auch deshalb, weil Stablecoins nicht mehr nur vor Krypto-Tradern bestehen müssen. Sobald Banken, Broker und Zahlungsfirmen digitale Dollar in ihre Abläufe einbauen, zählt eine zweite Sprache. Sie heißt Kontrolle, Bilanz, Nachvollziehbarkeit und regulatorische Anschlussfähigkeit.

Das ist kein automatischer Vorteil für Circle in jedem Markt. Tether hat bewiesen, dass ein Token auch ohne perfekte institutionelle Ästhetik riesig werden kann. Doch der nächste Wachstumsschritt entsteht dort, wo Kryptobörsen, Zahlungsinfrastruktur und traditionelle Finanzhäuser ineinandergreifen. In diesem Raum wird Reichweite wertvoller, wenn sie mit einem glaubwürdigen Regelwerk verbunden ist.

Der Stablecoin-Krieg wird deshalb nicht nur auf der Produktseite entschieden. Er wird in den unsichtbaren Schichten darunter geführt: Buchungssysteme, Handelspaare, Kundenzugang, Bankanbindungen und die Frage, welcher Dollar-Token in möglichst vielen Abläufen als Standard voreingestellt ist.

Circle hat mit Binance einen mächtigen Vertriebskanal gewonnen. Tether behält die ältere Handelsgewohnheit auf seiner Seite. Zwischen beiden entsteht ein Markt, der weniger wie eine Krypto-Rangliste aussieht und mehr wie der Bau eines neuen Finanznetzes. Payward-Co-Chef Arjun Sethi beschrieb diese Logik gegenüber CoinDesk als „one platform, one balance sheet, one regulatory stack“.

mth.
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