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Märkte okl / DFN-Redaktion · 26. October 2026, 20:02 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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Warum steigt der S&P 500 trotz 4 Prozent US-Zinsen?

Die Fed-Woche wirkt wie der Hauptfilm. Doch die Wall Street schaut auf eine trockenere Frage: Tragen die Gewinne 4 Prozent US-Zins länger aus?

Illustration: Warum steigt der S&P 500 trotz 4 Prozent US-Zinsen?

Der S&P 500 steigt, weil Anleger die Gewinnrechnung höher gewichten als die Hoffnung auf rasch billigeres Geld.

Das ist bemerkenswert, weil ein US-Zinsniveau von 4,00 Prozent in dieser Woche die Messlatte setzt. Billiges Geld war lange der höfliche Kellner jedes Bullenmarkts. Er füllte nach, bevor jemand Durst anmeldete. Nun steht er nicht mehr am Tisch. Trotzdem greifen Anleger bei US-Aktien zu.

Zur US-Handelszeit notiert der S&P 500 im Plus. Der DAX ging bereits fester aus dem Xetra-Handel. Der Dollar hält sich gegen den Euro stabiler, Gold liegt über 4.000 Dollar. Das Bild passt nicht zur schlichten Erzählung, wonach hohe Zinsen jede Aktienrally beenden. Es passt besser zu einer nüchternen Prüfung: Der Markt wartet nicht auf billigeres Geld, sondern testet, ob Unternehmensgewinne ein höheres Zinsniveau tragen können.

4 Prozent sind die neue Messlatte für Gewinne

Der Zins ist die erste Rechenzeile jeder Vermögensbewertung. Je höher der sichere Ertrag auf Dollar-Anlagen liegt, desto mehr müssen Aktien liefern, damit ihr Risiko lohnt. Diese alte Regel wurde in den Jahren extrem niedriger Zinsen gern wie ein verstaubtes Möbelstück behandelt. Sie stand noch im Zimmer, doch niemand setzte sich darauf.

Bei einem US-Zinsniveau um 4 Prozent kehrt die Regel zurück. Künftige Gewinne zählen weniger, wenn man sie mit einem höheren Zinssatz auf heute zurückrechnet. Diese Abzinsung ist kein akademischer Zierrat. Sie entscheidet darüber, ob eine Aktie teuer, vernünftig oder nur mit großem Glauben zu rechtfertigen ist.

Darum ist die Gewinnsaison in dieser Woche mehr als eine Sammlung von Quartalszahlen. Sie ist ein Stresstest für die Bewertung. Wenn Unternehmen höhere Kosten weitergeben, Margen verteidigen und Ausblicke nicht eintrüben, kann ein hoher Index trotz hoher Zinsen steigen. Dann bezahlt der Anleger nicht für Zinshoffnung, sondern für laufende Ertragskraft.

Warum gute Gewinne den Zins vorerst überstimmen können

Der Mechanismus ist schlicht. Ein höherer Zins drückt auf den Wert künftiger Gewinne. Höhere heutige Gewinne heben die Basis, von der aus gerechnet wird. Steigt die Gewinnbasis stark genug, kann sie den Druck des Zinssatzes überdecken. Das ist keine Magie, sondern Buchhaltung mit Börsenlaune.

Ein Beispiel genügt. Wenn ein Unternehmen in einem Umfeld höherer Finanzierungskosten seinen operativen Gewinn hält oder ausbaut, sinkt die Angst vor einer Margenkompression. Margenkompression bedeutet: Vom Umsatz bleibt weniger Gewinn übrig. Genau dort entscheidet sich, ob ein Aktienindex nur teuer aussieht oder ob er teurer geworden ist, weil die Gewinnmaschine besser läuft.

Die Wall Street hat in den vergangenen Jahren gelernt, höhere Zinsen nicht sofort als Todesurteil zu lesen. Viele große Unternehmen haben ihre Schulden früher zu niedrigeren Konditionen aufgenommen. Andere verfügen über starke Preissetzungsmacht. Wieder andere wachsen in Bereichen, in denen Kunden nicht sofort den Rotstift ansetzen. Diese Unterschiede erklären, warum der Index steigen kann, obwohl der Zins als Gegenwind bleibt.

Das darf man nicht mit Entwarnung verwechseln. Ein Zins von 4 Prozent verzeiht weniger als ein Zins nahe null. Er bestraft schwache Bilanzen, spätere Gewinne und Geschichten, die mehr Zukunft als Gegenwart enthalten. Gerade deshalb schaut die Börse so genau auf diese Gewinnsaison. Sie will wissen, ob der Gewinn von heute die Bewertung von morgen stützt.

Die Fed liefert den Takt, die Unternehmen liefern die Beweise

Die Fed-Woche ist der lautere Teil des Programms. Notenbanken sprechen, Märkte übersetzen, Händler feilen an Wahrscheinlichkeiten. Das Ritual ist bekannt. Doch eine Zinssenkungshoffnung allein trägt einen Index auf Dauer nur, wenn die Gewinnseite nicht dagegen arbeitet.

Die Fed kann den Bewertungsdruck mildern, wenn sie eine lockerere Haltung erkennen lässt. Sie kann ihn verschärfen, wenn sie länger an hohen Zinsen festhält. Aber sie kann keine Gewinnmarge in eine Bilanz schreiben. Dort beginnt die Arbeit der Unternehmen. Umsatz, Kosten, Löhne, Lagerbestände, Finanzierung: Diese Dinge sind prosaisch. Gerade deshalb zählen sie.

Die elegante Börsenversion lautet gern, dass alles bereits eingepreist sei. Dieses Wort beruhigt. Es klingt nach Ordnung, nach Aktenmappe, nach jemandem, der sich gekümmert hat. Doch die Gewinnsaison ist der Ort, an dem diese Behauptung geprüft wird. Wenn Ausblicke vorsichtiger ausfallen, hilft der Verweis auf Eingepreistes nur kurz. Wenn sie stabil bleiben, wirkt der hohe Zins weniger wie ein Fallbeil und mehr wie ein strenger Prüfer.

Die alte Rechnung ist unbequemer als die neue Mode

Ein historischer Seitenblick hilft gegen die modische Gewissheit. In früheren Zinsphasen stiegen Aktien nicht deshalb, weil Geld billig war. Sie stiegen, wenn Gewinne, Produktivität und Bilanzqualität den höheren Kapitalkosten standhielten. In anderen Phasen reichte ein höherer Zins, um Übertreibungen freizulegen. Beide Geschichten gehören zur Börsengeschichte. Nur die jeweils aktuelle Generation hält ihre Variante gern für neu.

Das stärkste Gegenargument gegen den laufenden Anstieg ist einfach. Wenn der Index bereits viel Zuversicht enthält, braucht es nicht einmal schlechte Zahlen. Es genügt, wenn gute Zahlen nicht gut genug sind. Hohe Bewertungen reagieren empfindlich auf kleine Enttäuschungen. Bei 4 Prozent Zins wird Geduld teurer, und teuer bezahlte Geduld ist an der Börse selten von Dauer.

Diese Einwendung ist ernst zu nehmen. Sie erklärt, warum der Anstieg des S&P 500 trotz hoher Zinsen keine Siegesmeldung ist. Er ist eine laufende Abstimmung über Gewinnqualität. Anleger honorieren nicht jeden Umsatzanstieg gleich. Sie unterscheiden stärker zwischen echtem Gewinn, bilanzieller Kosmetik und Versprechen, die erst in späteren Jahren fällig werden.

Gerade hier liegt der Unterschied zu einer bloßen Zinssenkungsrally. Eine Zinssenkungsrally lebt von der Erwartung, dass der Nenner der Bewertung kleiner wird. Die aktuelle Bewegung verlangt mehr vom Zähler. Gewinne müssen halten, besser steigen, und sie müssen aus dem operativen Geschäft kommen. Der Börsenadel ist in solchen Wochen nicht die schönste Geschichte. Es ist die belastbarste Gewinnzeile.

Der Test wird härter, wenn der Ausblick vorsichtiger wird

Für die kommenden Tage zählt daher weniger die einzelne Schlagzeile aus der Fed-Woche als die Verbindung aus Zins und Ausblick. Sagen Unternehmen, dass Nachfrage, Preise und Kosten im Lot bleiben, trägt das die These. Warnen sie vor Druck auf Margen oder Investitionsbudgets, bekommt der Zins wieder mehr Gewicht.

Der S&P 500 steigt also nicht trotz der Zinsen in einem luftleeren Raum. Er steigt, weil die Anleger prüfen, ob Gewinne groß genug sind, um den Zins zu bezahlen. Das ist eine würdigere Erklärung als die bequeme Hoffnung, die Fed werde schon rechtzeitig nachschenken. Sie ist auch strenger. Denn Gewinne muss man liefern. Hoffnung muss man nur formulieren.

Der konkrete Marker bleibt die Schwelle von 4,00 Prozent beim US-Zinsniveau. Wenn die Gewinnsaison diese Schwelle in den nächsten Tagen nicht sichtbar verdient, verliert der Anstieg seine sauberste Begründung.

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„Der S&P 500 kann ein US-Zinsniveau von 4 Prozent nur mit steigenden Unternehmensgewinnen tragen.“

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