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Krypto fbr / DFN-Redaktion · 21. September 2026, 12:01 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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174-mal mehr Umsatz als offene Positionen: Krypto-Kontrakt hat wenig Tiefe

Laut CoinDesk meldet die US-Prognosebörse Kalshi beim Ether-Perp 539 Mio. Dollar Handel. Das Open Interest liegt bei 3,1 Mio. Dollar; daran hängt der Zweifel.

Illustration: 174-mal mehr Umsatz als offene Positionen: Krypto-Kontrakt hat wenig Tiefe

2019 legte Bitwise der US-Börsenaufsicht SEC eine Analyse vor, die vielen Krypto-Börsen ein unangenehmes Etikett verpasste: Ein großer Teil des gemeldeten Bitcoin-Handels sah nach Scheinaktivität aus. Die Lektion war schlicht. Volumen klingt nach Leben, beweist aber noch keine Tiefe. Jetzt steht Kalshi vor einer ähnlichen Frage, nur in einem anderen Gewand: Was misst ein Markt eigentlich, wenn er Handelsvolumen meldet?

Kalshi ist laut CoinDesk ein regulierter US-Prognosemarkt und steht nach dem Start neuer Krypto-Perpetual-Futures-Kontrakte unter Druck. Perpetual Futures sind Derivate ohne festen Verfall. Sie bilden einen Basiswert laufend ab, ohne dass der Kontrakt an einem bestimmten Termin endet. Der Vorwurf dreht sich nicht um eine wilde Nebenbörse im Graumarkt. Er trifft eine Plattform, die gerade mit regulierter Marktstruktur wirbt.

Der Auslöser ist eine Zahl, die im ersten Moment beeindruckt und im zweiten Moment stört. Ein quantitativer Analyst und Mitgründer von Stealth Neolab, der auf X als Beni auftritt, verwies laut CoinDesk auf Kalshis Ether-Kontrakt ETH-PERP. Dieser habe in 24 Stunden 539 Millionen Dollar Handelsvolumen gemeldet, während das Open Interest nur bei 3,1 Millionen Dollar gelegen habe. Open Interest meint die Summe der offenen Positionen. Das Volumen war damit 174-mal so groß wie die offenen Positionen.

Warum 539 Millionen Dollar nicht automatisch Tiefe bedeuten

Ein großes Volumen kann zwei sehr verschiedene Dinge bedeuten. Es kann viele echte Käufer und Verkäufer geben, die Risiken übernehmen. Es kann aber auch bedeuten, dass dieselben oder eng verbundene Akteure Positionen schnell drehen. Für den Betrachter sehen beide Fälle zunächst ähnlich aus. Die Zahl oben im Marktfenster wächst.

Markttiefe entsteht an einer anderen Stelle. Sie zeigt sich daran, wie viel Risiko im Orderbuch steht und wie groß offene Positionen bleiben, wenn der Lärm des Hin und Her abzieht. Wenn ein Markt 539 Millionen Dollar Volumen meldet, aber nur 3,1 Millionen Dollar offene Positionen hält, stellt sich eine nüchterne Frage: Wie viel von dieser Aktivität verändert wirklich das Risiko im Markt?

Genau hier wird der Fall Kalshi interessant. Laut CoinDesk stehen repetitive Trades über 5.500 Dollar im Zentrum der Kritik. Der Analyst Beni wertete sie als Hinweis auf ungewöhnliche Aktivität. Der Vorwurf lautet also nicht bloß, dass die Zahl hoch ist. Er lautet, dass die Struktur hinter der Zahl zu sauber, zu gleichförmig und zu wenig mit wachsender offener Risikoposition verbunden wirkt.

Zwei Lager
Kalshi sagt

Die Kritik beruhe auf einem Missverständnis der Plattformmechanik. Außerdem verhinderten die normalen Gebühren Anreize zur Volumenmanipulation.

Die Kritiker halten dagegen

Ein Volumen, das 174-mal über dem Open Interest liegt und durch wiederholte 5.500-Dollar-Trades auffällt, beweist noch keine belastbare Liquidität.

Die 5.500-Dollar-Spur legt die Schwachstelle frei

Waschhandel, im Englischen wash trading, meint Trades ohne echte wirtschaftliche Risikoverschiebung. Ein Akteur kauft und verkauft im Kern gegen sich selbst oder gegen eng verbundene Gegenparteien. Die Wirkung ist simpel. Der Markt wirkt lebendiger, als er ist. Für Plattformen kann das wertvoll sein, weil Volumen Nutzer anzieht und Liquidität glaubwürdiger erscheinen lässt.

CoinDesk berichtet, dass Beni zusätzlich eine bei der CFTC eingereichte Gebührenstruktur ins Spiel brachte. Er sprach von einem net-zero fee schedule, also einer Gebührenlogik, die nach seiner Lesart künstlichen Handel begünstigen könne. Kalshi wies den Vorwurf zurück. IcoBeast.eth, laut CoinDesk für Krypto-Produkte bei Kalshi zuständig, argumentierte auf X, die Anschuldigungen beruhten auf einem Missverständnis der Mechanik.

Die Brisanz liegt in der Kombination. Wiederholte Handelsgrößen sind allein noch kein Beweis. Hohe Umschlaggeschwindigkeit ist allein ebenfalls kein Beweis. Auch niedrigeres Open Interest kann in einem jungen Markt vorkommen. Zusammen erzeugen diese drei Elemente aber ein Muster, das Anleger, Konkurrenten und Regulierer nicht einfach mit einem Achselzucken abräumen sollten.

Kalshis Einwand trifft trotzdem einen wunden Punkt

Kalshi liefert laut CoinDesk eine Erklärung, die man ernst nehmen muss. Die Plattform sagt demnach, dass das aufgeblähte Headline-Volumen aus einer branchenweiten Konvention stamme. Gemessen werde der maximale mögliche Auszahlungsbetrag, nicht unbedingt der tatsächlich eingesetzte Geldbetrag. Das ist kein kleines Detail. Es verändert den Nenner, mit dem Leser die Größe des Marktes im Kopf bilden.

Wenn ein Anbieter mögliche Auszahlungen als Volumen ausweist, wächst die Zahl schneller als das Kapital, das wirklich den Besitzer wechselt. Das kann formal korrekt sein und trotzdem ökonomisch missverständlich wirken. Genau solche Messkonventionen sind in jungen Marktsegmenten gefährlich. Sie belohnen die größte Zahl, nicht die sauberste Aussage.

Kalshi verweist laut CoinDesk außerdem auf öffentliche regulatorische Einreichungen und spricht von vollständiger Transparenz. CoinDesk schrieb zugleich, dass Kalshi auf eine Anfrage nach weiterer Stellungnahme nicht unmittelbar reagiert habe. Damit bleibt die Debatte an der Stelle offen, an der sie für die Marktqualität wichtig wird: Reicht Transparenz über die Methode, wenn die Methode selbst ein Bild erzeugt, das viele Leser falsch deuten?

Die Prüfung lautet: wächst das offene Risiko mit?

Der stärkste Einwand gegen die Skepsis ist einfach. Junge Märkte können extrem schnell drehen. Market Maker testen Spreads. Arbitrageure bewegen Positionen. Trader schließen und eröffnen Kontrakte mehrfach am Tag. In solchen Phasen kann Volumen groß sein, ohne dass das Open Interest sofort mitzieht. Ein hoher Umschlag muss also nicht automatisch Manipulation bedeuten.

Aber der Unterschied zwischen gesundem Handel und Zahlentheater zeigt sich im Zeitverlauf. Wenn ein Markt wirklich neue Teilnehmer anzieht, sollte irgendwann mehr Risiko hängen bleiben. Das Orderbuch sollte belastbarer werden. Die offenen Positionen sollten nicht dauerhaft klein bleiben, während die gemeldeten Umsätze in großen Schlagzeilen leben.

Für Kalshi geht es deshalb um mehr als um einen Krypto-Streit auf X. Prognosemärkte verkaufen Glaubwürdigkeit. Sie wollen nicht nur Kurse stellen, sondern Erwartungen messbar machen. Wenn das Volumen größer wirkt als der Markt, leidet genau dieses Versprechen. Dann misst die Plattform vor allem Aktivität, aber noch nicht zwingend Überzeugung.

Der konkrete Marker für die nächsten Tage ist die Spanne von 174 zu 1 zwischen Volumen und Open Interest. Wenn dieses Verhältnis hoch bleibt, spricht das für die These, dass Kalshis Krypto-Volumen mehr Aktivität suggeriert als Markttiefe belegt. Wenn es deutlich fällt, bekommt Kalshis Erklärung mehr Gewicht.

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„Kalshis Krypto-Volumen suggeriert mehr Aktivität, als die Markttiefe bislang belegt.“

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