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Rohstoffe & Devisen okl / DFN-Redaktion · 29. October 2026, 08:31 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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US-BIP und PCE-Kernrate drängen den Euro vor der EZB in die Defensive

Die EZB dürfte den Leitzins halten. Für EUR/USD zählen zuerst US-BIP und PCE-Kernrate, weil sie die Wette auf spätere Fed-Zinsschritte neu bewerten.

Illustration: US-BIP und PCE-Kernrate drängen den Euro vor der EZB in die Defensive

Nach dem Frankfurter Handelsschluss trat Fed-Chef Kevin Warsh vor die Presse und ließ den US-Leitzins unverändert. Er gab dem Markt damit nicht Entwarnung. Er verweigerte ihm nur die bequeme Gewissheit, wann der nächste Zinsschritt kommt.

Am Morgen handelt EUR/USD bei 1,1142 und damit etwas leichter. Das passt zur Lage. Der Euro wartet zwar formal auf die EZB. Tatsächlich blickt der Devisenmarkt heute zuerst nach Washington. Eine Dreiviertelstunde vor Lagardes Auftritt stehen US-BIP und PCE-Kernrate an. Die PCE-Kernrate ist das von der Fed besonders beachtete Inflationsmaß ohne Energie und Lebensmittel. Wer den Euro heute nur aus Frankfurt erklären will, schaut auf den kleineren Hebel.

Frankfurt dürfte Ruhe liefern, Washington den Preis

Laut tagesschau.de erwarten Ökonomen, dass die EZB den Leitzins bei 2,5 Prozent belässt. Das ist kein Schockstoff für einen Devisenmarkt. Ein erwarteter Stillstand bewegt eine Währung nur dann kräftig, wenn der Ton der Notenbank die erwartete Zukunft ändert. Lagarde kann das leisten. Sie muss dafür aber gegen einen bereits bereiten Konsens sprechen.

tagesschau.de verweist zugleich darauf, dass angesichts der hohen Inflation viele Experten im Dezember eine Erhöhung erwarten. Damit liegt die EZB nicht außerhalb des globalen Drehbuchs. Sie spielt nur später auf derselben Bühne. Der Markt hat gelernt, Zinsentscheidungen nicht als Einzeltermine zu lesen. Er liest sie als Kette.

Genau deshalb wiegt Washington heute schwerer. US-BIP und PCE-Kernrate beantworten eine härtere Frage als die EZB-Sitzung: Hält die US-Wirtschaft genug aus, um höhere Zinsen zu verkraften, während der Preisdruck hoch bleibt? Wenn die Antwort ja lautet, bekommt der Dollar Rückenwind aus der Zinsdifferenz. Wenn die Antwort nein lautet, verliert die Dezember-Wette der Fed an Schärfe. Der Euro steigt dann nicht aus eigener Kraft, sondern weil der Dollar nachgibt.

Die Fed-Pause macht den Dollar nicht zahm

n-tv berichtet, die Fed habe den Schlüsselsatz in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Das klingt nach Pause. Es ist aber eine Pause mit erhobenem Zeigefinger. Die Entscheidung fiel laut n-tv nicht einstimmig: Lisa Cook und Beth Hammack votierten für eine Anhebung. Eine Notenbank, in der zwei Mitglieder sofort straffen wollen, signalisiert keinen geldpolitischen Feierabend.

Hinzu kommt die Wortwahl. Die Fed räumte laut n-tv ein, dass die Inflation „weiterhin erhöht“ sei. CoinDesk schreibt ebenfalls, eine Zinserhöhung im Dezember bleibe wahrscheinlich, weil die US-Notenbank weiter auf Inflation fokussiere, die deutlich über ihrem Ziel von 2 Prozent liege. Das ist für den Dollar die freundlichere Lesart der Pause. Der Zins blieb stehen, aber die Drohung blieb im Raum.

Warshs Stil verschärft diese Lage. n-tv berichtet, er wolle die Märkte stärker an Fundamentaldaten und weniger an Hinweise der Notenbanker binden. Das ist vornehm formuliert eine Absage an das alte Ritual: Händler stellen Fragen, Notenbanker liefern Brotkrumen, Kurse marschieren hinterher. Heute müssen die Zahlen sprechen. Für EUR/USD macht das die US-Daten wichtiger als den Kommentar danach.

Die nächsten Termine
  • Thu 29.10., 13:30 Uhr: USA – BIP-Erstschätzung (Quartal) (erwartet 3,2 % nach 1,5 % zuvor)
  • Thu 29.10., 13:30 Uhr: USA – PCE-Kernrate (bevorzugtes Fed-Inflationsmaß) (erwartet 0,3 % nach 0,2 % zuvor)
  • Thu 29.10., 14:15 Uhr: Euroraum – EZB-Zinsentscheid (erwartet 2,65 % nach 2,65 % zuvor)
  • Thu 29.10., 14:15 Uhr: Euroraum – Geldpolitisches Statement

BIP und PCE prüfen dieselbe Wette von zwei Seiten

Das US-BIP und die PCE-Kernrate wirken zusammen stärker als getrennt. Starkes Wachstum allein wäre für den Dollar nicht automatisch gut. Es kann auch bedeuten, dass die Konjunktur die Inflation später abfedert. Hohe Kerninflation allein wäre ebenfalls nicht genug, wenn die Wirtschaft schon sichtbar nachgibt. Zusammen ergeben beide Daten aber ein Urteil über den Spielraum der Fed.

Ein robustes BIP bei zäher PCE-Kernrate stützt die These, dass Warsh im Dezember nachlegen kann. Dann steigt der erwartete Zinsvorteil der USA gegenüber dem Euroraum. Der Euro müsste in diesem Fall gegen einen Dollar antreten, der mehr laufenden Ertrag verspricht. Devisenmärkte mögen Erzählungen, aber sie rechnen am Ende mit Zinsen.

Ein schwächeres BIP bei nachlassender Kernrate würde die Gegenrechnung öffnen. Dann sähe die Fed-Pause weniger wie ein taktisches Innehalten aus und mehr wie der Anfang einer längeren Wartezeit. Der Dollar verlöre einen Teil seines Vorsprungs. Der Euro bekäme Luft, selbst wenn die EZB nur das Erwartete sagt.

Diese Mechanik erklärt auch, warum der heutige Tag so leicht missverstanden wird. Auf dem Kalender steht die EZB groß. Im Preisschild von EUR/USD steht die Fed größer. Der Wechselkurs handelt den relativen Zins, nicht die höflichere Pressekonferenz.

Lagarde kann stören, aber sie muss überraschen

Die stärkere Gegenposition lautet: Wenn Lagarde heute klarer als erwartet auf eine Zinserhöhung im Dezember deutet, kann der Euro sehr wohl aus Frankfurt Impulse bekommen. Das stimmt. Die EZB bestimmt die Euro-Seite der Zinsdifferenz. Ein harter Ton würde den Markt zwingen, den europäischen Zinspfad neu zu zeichnen.

Nur liegt die Hürde dafür höher. tagesschau.de schreibt bereits, viele Experten rechneten auch in Europa im Dezember mit einer Erhöhung. Wer einen Kurs bewegen will, muss mehr liefern als das, was schon im Wartezimmer sitzt. Warsh hat dem Markt am Vorabend gerade gezeigt, wie schwer eine Notenbank überraschen kann, ohne formal zu handeln.

Auch die Aktienseite spiegelt diese Zurückhaltung. IG Markets taxierte den DAX laut tagesschau.de vor der Xetra-Eröffnung mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent auf 25.765 Punkte, nach einem Schlussstand von 25.704 Punkten am Mittwoch. Die LBBW-Experten sagten laut tagesschau.de, viele Anleger scheuten vor richtungsweisenden Unternehmens- und Zentralbankentscheidungen größere Positionierungen. Diese Vorsicht ist im Euro nicht anders. Sie trägt nur einen anderen Namen: Dollar-Risiko.

Warshs Auftritt nach Frankfurter Handelsschluss liest sich deshalb am Morgen anders. Er war keine Randnotiz der US-Politik kurz vor den Midterms, wie n-tv den zeitlichen Rahmen beschreibt. Er war der Auftakt zu einem Datentest, den Lagarde nicht allein überschreiben kann. Der Euro steht vor der EZB, aber er hängt heute an der Antwort aus Washington: Wächst Amerika stark genug, um teureres Geld zu ertragen, und bleibt die Inflation hoch genug, damit die Fed es liefert?

Der unveränderte Leitzins war gestern Abend die Szene. Heute wird er zur Messlatte. Was wie Ruhe klang, kann sich nach BIP und PCE-Kernrate als bloße Atempause erweisen. Für EUR/USD ist das der alte, wenig romantische Kern der Sache: Der Kurs folgt nicht dem Podium mit der größeren Aufmerksamkeit, sondern dem Zins, der glaubwürdiger steigt.

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„Der Euro hängt heute stärker an den US-Daten als am EZB-Zinsentscheid.“

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