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Märkte awd / DFN-Redaktion · 3. November 2026, 08:31 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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US-Wahlen treffen die Nasdaq, der Jobbericht prüft die KI-Rallye

Der Markt starrt auf Washington. Doch teure KI-Aktien, ein schwächerer S&P 500 und der Jobbericht am Freitag tragen das größere Risiko.

Illustration: US-Wahlen treffen die Nasdaq, der Jobbericht prüft die KI-Rallye

2008 stand die US-Wirtschaft unter dem Eindruck der Finanzkrise, und die Verbraucherstimmung erzählte damals eine einfache Geschichte: Angst vor Verlusten, Kreditstress, Rezession. Heute ist die Lage weniger eindeutig. Laut tagesschau.de sind die Amerikaner in der Umfrage der University of Michigan derzeit sogar weniger zuversichtlich als während der Finanzkrise 2008 oder der Corona-Pandemie 2020, obwohl die USA nach den vorliegenden Daten nicht in einer Rezession stecken. Genau in diese Spannung fallen nun die US-Zwischenwahlen. Der sichtbare Anlass ist Politik. Der härtere Test für die angeschlagene Nasdaq liegt tiefer: hohe Erwartungen an KI-Aktien, ein schwächerer S&P 500 und der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.

Die Wahl erklärt die Nervosität, aber nicht den ganzen Druck

Vor der Frankfurter Eröffnung dominiert zunächst der politische Reflex. tagesschau.de berichtet, dass der Broker IG Markets den DAX vor dem Xetra-Start 0,8 Prozent tiefer bei 25.781 Punkten taxiert. Am Montag war der deutsche Leitindex laut tagesschau.de noch 0,6 Prozent höher bei 25.981 Punkten aus dem Handel gegangen. Die runde Marke von 26.000 Punkten bleibt damit eine Hürde, an der nicht nur Charttechnik hängt, sondern auch Risikobereitschaft.

Salah-Eddine Bouhmidi von IG sagte laut tagesschau.de, den Anlegern fehle noch die nachhaltige Überzeugung, um diese Marke zu überwinden. Seine politische Lesart ist plausibel. Bei den Zwischenwahlen entscheidet sich, ob die Demokraten der Republikanischen Partei von Präsident Donald Trump die Kontrolle über den Kongress entreißen können. Umfragen deuten laut tagesschau.de darauf hin, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus gewinnen könnten, während der Senat offener bleibt.

Politische Unsicherheit ist für Märkte leicht zu erzählen. Sie hat Akteure, Fristen und Schlagzeilen. Dazu kommt die Sorge vor geopolitischen Risiken, etwa mit Blick auf Iran. tagesschau.de verweist darauf, dass viele Investoren einen erneuten US-Angriff nach den Wahlen fürchten. Trump antwortete auf die Frage von Reportern, ob er einen solchen Angriff nach den Zwischenwahlen in Betracht ziehe, mit „Nein“. Das beruhigt nicht jeden, aber es rückt die Marktmechanik wieder an ihren Ort. Wahlrisiken können Kurse bewegen. Sie erklären aber nicht, warum gerade Wachstumswerte anfälliger wirken.

Teure KI-Aktien haben weniger Spielraum für Enttäuschungen

Bei der Nasdaq geht es nicht nur um den Ausgang einer Wahl. Es geht um die Frage, wie viel Zukunft bereits bezahlt wurde. KI-Aktien haben in den vergangenen Quartalen einen großen Teil der Fantasie an den US-Börsen getragen. Das kann lange funktionieren, solange Gewinne, Margen und Auftragsbücher die hohen Erwartungen nachliefern. Es wird empfindlicher, wenn auch nur ein Baustein wackelt.

Apple liefert dafür keinen perfekten, aber einen nützlichen Hinweis. tagesschau.de berichtet, dass die Quartalsbilanz des Konzerns Gesprächsthema am Markt ist und der Ausblick die Erwartungen enttäuschte. Apple ist kein reiner KI-Wert. Gerade deshalb ist die Reaktion interessant. Wenn selbst ein sehr großer Qualitätswert nicht mehr nur an seiner Gegenwart gemessen wird, sondern sofort am nächsten Wachstumsschub, dann ist der Markt nicht billig, sondern anspruchsvoll.

Der S&P 500 ging zuletzt mit 7.541 Punkten und einem Minus von 0,51 Prozent aus dem Handel. Das ist für sich genommen keine dramatische Zahl. In einem Zyklus hoher Erwartungen zählt aber die Richtung der Überraschungen. Ein Markt, der bereits robuste Gewinne und politische Entspannung eingepreist hat, braucht mehr als die Abwesenheit schlechter Nachrichten. Er braucht neue Bestätigung.

Worauf jetzt achten
  • Dienstag: Die US-Zwischenwahlen geben dem Markt politische Klarheit oder verlängern die Unsicherheit über den Kongress.
  • Technologiesektor: Die Reaktion auf Apples enttäuschenden Ausblick zeigt, wie wenig Toleranz für verfehlte Erwartungen bleibt.
  • Freitag: Der US-Arbeitsmarktbericht prüft, ob Wachstum und Konsum die Bewertungen weiter tragen können.

Der Arbeitsmarktbericht ist der Test für den Zyklus

Die US-Konjunktur sieht auf den ersten Blick besser aus als die Stimmung. Laut tagesschau.de wuchs das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal annualisiert um 3,4 Prozent, nach 2,2 Prozent im zweiten und 2,5 Prozent im ersten Quartal. Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel sagte der ARD-Finanzredaktion, die US-Wirtschaft wachse derzeit recht robust, wenn auch nicht in besonders hohem Tempo. Aktuell deute wenig auf eine bevorstehende spürbare Abschwächung hin.

Das ist das stärkste Argument gegen zu viel Skepsis. Eine Wirtschaft, die weiter wächst, kann Unternehmensgewinne stützen. Ein Markt, der vor allem teure Wachstumswerte hält, braucht genau diese Brücke zwischen Hoffnung und realer Nachfrage. Der Arbeitsmarkt steht in dieser Brücke. Er entscheidet mit darüber, ob Verbraucher weiter ausgeben, ob Unternehmen einstellen und ob die Gewinnschätzungen glaubwürdig bleiben.

Für Aktien entsteht daraus ein unbequemes Doppelrisiko. Ein sehr schwacher Arbeitsmarktbericht würde die Sorge nähren, dass das Wachstum hinter der Verbraucherstimmung herfällt. Ein sehr starker Bericht könnte dagegen die Hoffnung auf lockerere Finanzierungsbedingungen dämpfen. Für hoch bewertete KI-Aktien ist beides nicht sauber bullisch. Sie reagieren nicht nur auf die Richtung der Wirtschaft, sondern auch auf den Preis des Wartens. Je weiter Gewinne in der Zukunft liegen, desto stärker zählt, zu welchen Bedingungen diese Zukunft abgezinst wird.

Damit verschiebt sich der Blick von der Wahlurne zur Zyklusfrage. Wo stehen die USA? Früh in einer neuen Expansion, in der hohe Bewertungen durch beschleunigtes Wachstum bestätigt werden? Oder spät in einer Phase, in der Anleger gute Nachrichten bereits bezahlt haben und schlechte Nachrichten wieder ernst nehmen? Niemand kann das exakt datieren. Man kann aber sehen, dass der Markt weniger Luft für Fehler lässt.

Was der Konsens gerade bequem findet

Der bequeme Konsens lautet: Nach den Zwischenwahlen verschwindet ein Unsicherheitsfaktor, und dann kann der Markt wieder auf Fundamentaldaten schauen. Daran ist etwas Wahres. Politische Klarheit hilft, weil sie Szenarien reduziert. Doch sie heilt keine Bewertung, die auf perfekte Ausführung angewiesen ist. Sie repariert auch keinen Ausblick, der enttäuscht, und sie ersetzt keinen Arbeitsmarkt, der die Konsumnachfrage tragen muss.

Die andere Seite darf man nicht kleinreden. Die US-Wirtschaft ist nicht in einer klassischen Krisenlage. Das Wachstum ist robust, die Unternehmenslandschaft bleibt innovativ, und KI ist mehr als ein Börsenwort. Wer nur auf hohe Kurse schaut, übersieht leicht, dass starke Zyklen länger dauern können, als vorsichtige Beobachter erwarten. Überbewertung allein ist selten ein Timing-Signal. Sie ist eher ein Hinweis darauf, dass die Fallhöhe größer wird, falls die Erzählung Risse bekommt.

2008 war die Angst leicht zu verstehen, weil die Krise offen vor den Augen lag. 2026 ist die Lage raffinierter. Die Stimmung der Verbraucher ist laut tagesschau.de schlechter als in jenen großen Stressphasen, während das BIP weiter wächst und die Börse noch hohe Zukunftspreise verlangt. Genau diese Mischung macht die Nasdaq anfällig. Nicht weil eine Wahl allein den Zyklus kippt. Sondern weil eine Wahl, teure KI-Erwartungen und ein Arbeitsmarktbericht in derselben Woche zeigen, wie viel Vertrauen bereits im Preis steckt.

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„Der Jobbericht am Freitag ist für die KI-Rallye wichtiger als das Ergebnis der US-Zwischenwahlen.“

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