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Meinung cvk / DFN-Redaktion · 18. September 2026, 19:34 Uhr · 4 Min. Lesezeit
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Wall Street behandelt Trumps Iran-Drohungen zu sorglos

Der TACO-Trade setzt auf den nächsten Rückzieher. Doch die Straße von Hormus macht aus politischem Theater schnell ein Öl- und Zinsproblem.

Illustration: Wall Street behandelt Trumps Iran-Drohungen zu sorglos

Als Donald Trump im September erneut Iran drohte, griffen Händler an der Wall Street laut MarketWatch zu ihrem gewohnten Drehbuch. Drohung hören, Rücksetzer kaufen, auf den Rückzieher warten. Sechs Monate lang soll dieses Spiel funktioniert haben. Im September aber hakte es. Eine alte Börsenweisheit passt dazu: Gewohnheit ist an der Börse ein bequemer Sessel, bis jemand die Lehne absägt.

Der sogenannte TACO-Trade behandelt politische Eskalation wie ein schlecht geschriebenes Theaterstück. Man kennt den ersten Akt, man kennt den Donner, man kennt den letzten Satz. Trump droht, die Kurse zucken, dann beruhigt sich alles. Wer so denkt, verwechselt Wiederholung mit Gesetz. Beim Iran ist das gefährlich, weil die Bühne nicht nur aus Reden besteht. Sie besteht aus Öl, Transportwegen, Inflationserwartungen und am Ende aus Zinsen.

Das alte Drehbuch lebte von Trumps Rückziehern

MarketWatch beschreibt das Playbook klar: Wenn Trump Iran drohte, kauften Investoren den Rücksetzer, weil sie darauf setzten, dass er am Ende zurückweicht. Das ist der TACO-Trade in seiner nüchternsten Form. Er ist keine Analyse der Region. Er ist eine Wette auf politisches Verhalten.

Solche Wetten können eine Zeit lang glänzend aussehen. An der Börse gibt es immer wieder Phasen, in denen Spott mehr verdient als Vorsicht. Die Zittrigen verkaufen die Schlagzeile, die Hartgesottenen kaufen die Entspannung. Danach erzählt jeder, er habe es natürlich kommen sehen. Das Problem beginnt, wenn aus einer taktischen Beobachtung eine automatische Reaktion wird.

Im September funktionierte dieses Drehbuch laut MarketWatch nicht mehr wie zuvor. Genau diese kleine Störung verdient mehr Aufmerksamkeit als die nächste flotte Pointe über Trump. Wenn ein Trade auf Gewöhnung beruht, reicht eine einzige Episode, in der die Gewöhnung bricht. Dann steht nicht nur eine Position falsch. Dann steht die ganze Erzählung auf wackligen Beinen.

So kam es dazu
  • Sechs Monate lang — Anleger hatten laut MarketWatch ein einfaches Playbook: Bei Iran-Drohungen Trumps den Rücksetzer kaufen.
  • Im September — MarketWatch berichtet, dass dieses Playbook nicht mehr wie gewohnt funktionierte.
  • Zuletzt — Saudi-Arabien drängt laut MarketWatch darauf, mehr Öl durch die Straße von Hormus zu exportieren.

Die Straße von Hormus macht aus Rhetorik einen Ölpreis

Politische Drohungen bleiben an der Börse oft folgenlos, solange sie keinen Kanal zur Realwirtschaft finden. Beim Iran heißt dieser Kanal Straße von Hormus. MarketWatch berichtet, dass Saudi-Arabien inzwischen stärker darauf drängt, Öl durch diese Meerenge zu exportieren. Der Grund ist konkret: Die East-West-Pipeline ist laut MarketWatch stillgelegt. Damit wird die Straße von Hormus zum besten verfügbaren Ausweg.

Hier endet das gemütliche Kartenspiel der Rückzieher-Wette. Wenn ein wichtiger Exportweg stärker belastet wird, steigt die Bedeutung jeder Störung. Das heißt nicht, dass sofort ein Versorgungsschock bevorsteht. Es heißt aber, dass die politische Prämie im Ölpreis weniger leicht wegzulachen ist. Ein Händler kann eine Rede ignorieren. Einen Engpass auf einer Route ignoriert er nur einmal.

MarketWatch formuliert es knapp: Der Ölhahn habe sich zuletzt geöffnet, offen bleibe aber, ob das anhält. Für einen Markt, der monatelang auf Entspannung konditioniert wurde, ist schon diese Unsicherheit unbequem. Denn Öl wirkt nicht wie eine exotische Nebenwette. Es läuft durch Tankstellenpreise, Frachtraten, Margen und Inflationsmodelle.

Aus dem Ölrisiko wird schnell ein Zinsproblem

Die Wall Street liebt einfache Abkürzungen. Eine davon lautet: Geopolitik ist Lärm, Notenbanken sind Musik. Nur stimmt das beim Öl nicht sauber. Steigt der Ölpreis wegen eines Transportrisikos, bekommen Verbraucher und Unternehmen die Rechnung schneller als viele Analysten ihre Modelle anpassen. Dann geht es nicht mehr nur um die Frage, ob Trump zurückweicht. Dann geht es um die Frage, ob die Inflationserwartungen ruhig bleiben.

Das ist für Aktien der unangenehme Teil. Ein politischer Schreck lässt sich oft aussitzen. Ein Inflationsschub verändert den Diskontsatz, also den Zinssatz, mit dem künftige Gewinne auf heute abgezinst werden. Wachstumsaktien mögen solche Rechenübungen selten. Breite Indizes auch nicht, wenn gleichzeitig Energiepreise steigen und Zinssenkungsfantasie schrumpft.

Der TACO-Trade wirkt deshalb harmloser, als er ist. Er verkauft sich als Wette auf Trumps Neigung zum Rückzug. Tatsächlich enthält er eine zweite Wette: dass die Ölversorgung ruhig bleibt, während alle auf den politischen Ausgang starren. Diese zweite Wette ist weniger witzig. Sie hat keine Pointe, nur Rechnungen.

Die Gegenposition

Die Bullen können einwenden, dass Trump in den vergangenen Monaten tatsächlich oft drohte und danach zurückruderte. Laut MarketWatch war genau dieses Muster sechs Monate lang profitabel. Der Punkt ist ernst zu nehmen: Märkte handeln Wahrscheinlichkeiten, und ein wiederholtes Muster verdient Beachtung. Gefährlich wird es erst, wenn aus Wahrscheinlichkeit Gewissheit wird.

Die Rückzieher-Wette braucht mehr Demut

Wer an der Börse alt werden will, darf Muster nutzen. Er darf ihnen nur nicht dienen. Der Unterschied ist klein, aber teuer. Beim Iran kann das politische Schauspiel jederzeit wieder in die bekannte Schlusskurve einbiegen. Trump droht, verhandelt, zieht zurück, die Kurse atmen auf. Dann wird der TACO-Trade wieder wie Weisheit aussehen.

Doch diesmal hängt mehr daran als die nächste Schlagzeile aus Washington. Saudi-Arabiens stärkerer Weg über die Straße von Hormus, die stillgelegte East-West-Pipeline und der zuletzt geöffnete Ölfluss geben der Geschichte eine materielle Seite. Das ist kein Bühnennebel. Das ist Infrastruktur.

Der konkrete Marker für die nächsten Tage ist deshalb der Ölfluss durch die Straße von Hormus. Bleibt Saudi-Arabiens zuletzt geöffneter Exportweg dort ruhig und belastbar, bekommt die Rückzieher-Wette neuen Atem. Stockt dieser Weg, wird aus dem politischen Bonmot ein Öl-, Inflations- und Zinsproblem. Dann zahlen die Bequemen den Preis, den die Geduldigen vorher einkalkulieren wollten.

cvk.
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