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KurseWochenendausgabe · Sunday, 25. October 2026
Krypto fbr / DFN-Redaktion · 25. October 2026, 12:32 Uhr · 4 Min. Lesezeit
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Wann bremsen Dividenden Firmen, die mit fremdem Geld Bitcoin kaufen?

Strategy und Strive sammeln Kapital für Bitcoin und versprechen Dividenden. Spannend wird, wann neue Geldgeber alte Zusagen finanzieren müssen.

Illustration: Wann bremsen Dividenden Firmen, die mit fremdem Geld Bitcoin kaufen?

Am Dienstag schrieb Fidelity-Analyst Zack Wainwright in einem Report über ein Finanzierungsinstrument, das auf den ersten Blick trocken wirkt: Perpetual Preferred Stock. Laut CoinDesk haben solche Vorzugsaktien seit 2025 Käufe von rund 136.000 Bitcoin finanziert. Das Interessante daran ist die Verwandlung der Wette. Firmen wie Strategy und Strive kaufen Bitcoin mit Kapital, das eigene Zahlungsversprechen trägt. Aus Kursfantasie wird damit eine regelmäßige Dividendenrechnung.

Der Markt betrachtet diese Firmen oft als gehebelte Bitcoin-Vehikel. Steigt Bitcoin, steigt die Erzählung. Fällt Bitcoin, wackelt der Hebel. Diese Sicht greift zu kurz. Die Vorzugsdividende macht aus einer Krypto-Story ein Finanzierungsmodell mit laufender Kasse, festen Ansprüchen und einer sehr einfachen Frage: Reicht der Appetit neuer Kapitalgeber aus, um die alten Zahlungsversprechen zu tragen und trotzdem weiter Bitcoin zu kaufen?

Die Dividende macht den Bitcoin-Kauf messbar

Perpetual Preferred Stock sind Vorzugsaktien ohne festes Fälligkeitsdatum. Sie stehen in der Kapitalstruktur zwischen Schulden und Stammaktien. Sie zahlen regelmäßig Dividenden, geben aber in der Regel keine Stimmrechte. CoinDesk beschreibt genau dieses Instrument als bevorzugten Finanzierungsweg von Bitcoin-Treasury-Firmen.

Für Strategy und Strive liegt der Reiz auf der Hand. Sie können Kapital einsammeln, ohne eine klassische Anleihe mit Rückzahlungstermin auszugeben. Der Käufer erhält dafür eine Ausschüttung. Beide Seiten bekommen etwas, das sie wollen: die Firma Liquidität für Bitcoin, der Investor laufenden Ertrag.

Der Preis dafür steht im Kleingedruckten. Jede neue Vorzugsaktie vergrößert die künftige Ausschüttungslast. Solange frisches Kapital leicht kommt, wirkt das Modell elegant. Sobald die Nachfrage schwächer wird, konkurrieren drei Dinge miteinander: neue Bitcoin-Käufe, Dividendenzahlungen und mögliche Rückkäufe. CoinDesk berichtet, dass genau diese Dividendenpflichten und Buybacks weitere Bitcoin-Käufe begrenzen könnten.

Größenordnung
mehr als 0,5 Prozent

Die über Vorzugsaktien finanzierten Bitcoin-Käufe entsprechen laut Fidelity mehr als 0,5 Prozent der maximalen Bitcoin-Menge.

Warum ein kleiner Markt trotzdem groß genug für Probleme ist

Fidelity beziffert den Markt für bitcoinbezogene Vorzugsaktien laut CoinDesk auf rund 12 Milliarden Dollar. Das klingt klein neben dem globalen Anleihemarkt, den Fidelity bei 150 Billionen Dollar verortet. Genau daraus entsteht das stärkste Gegenargument gegen die Skepsis. Wenn nur ein winziger Teil der Ertragsinvestoren in solche Papiere wandert, könnte der Markt deutlich wachsen.

Diese Sicht hat Gewicht. Bitwise erwartet laut CoinDesk, dass ETFs die größere Nachfragequelle für Bitcoin bleiben, während Vorzugsaktien vor allem Renditeinvestoren anziehen. Das ist eine wichtige Trennung. ETF-Zuflüsse hängen stark an der Bitcoin-These. Vorzugsaktien hängen zusätzlich am Vertrauen in den Emittenten. Der Investor fragt nicht nur, ob Bitcoin steigt. Er fragt auch, ob Strategy oder Strive die Ausschüttung dauerhaft bedienen können.

Damit verschiebt sich der Maßstab. Bei einer direkten Bitcoin-Wette zählt vor allem der Preis des Coins. Bei einer Vorzugsaktie zählt der Zahlungsstrom des Unternehmens. Das macht den Trade weniger rein und dafür empfindlicher gegenüber Finanzierungskosten, Marktvertrauen und der Bereitschaft neuer Käufer, weitere Serien zu zeichnen.

Strategy ist der Testfall für die ganze Konstruktion

Strategy ist laut CoinDesk der größte börsennotierte Unternehmenshalter von Bitcoin und dominiert den Markt für solche Strukturen. Das Unternehmen hat dem Bericht zufolge fünf verschiedene Klassen von Vorzugsaktien. Die erste, STRK, debütierte im Februar 2025. Deshalb blickt der Markt auf Strategy nicht nur als Bitcoin-Käufer, sondern als Stresstest für das Modell.

Die Mechanik ist nüchtern. Wenn Strategy neue Vorzugsaktien erfolgreich platziert, kann das Unternehmen Bitcoin kaufen und zugleich die Nachfrage nach seinen Papieren demonstrieren. Wenn die Platzierungen schwerer werden, wird dieselbe Struktur zum Bremsklotz. Dann muss das Unternehmen stärker um Kapital werben, während frühere Serien weiter Ansprüche auf Dividenden haben.

Strive steht im selben Grundkonflikt, auch wenn Strategy der größere Taktgeber ist. Bitcoin-Treasury-Firmen verkaufen dem Markt eine doppelte Geschichte: Beteiligung an einer knappen digitalen Reserve und laufender Ertrag aus einem Wertpapier. Diese Kombination ist attraktiv, solange beide Teile zusammenpassen. Sie wird unbequem, wenn der Ertrag den Spielraum für die Reservekäufe verengt.

Die Kreditlogik beginnt bei der nächsten Kapitalrunde

Der Unterschied zu ETFs ist deshalb mehr als ein technisches Detail. Ein ETF muss keine Dividende auf Fremdkapital-ähnliche Ansprüche bedienen, um weiter als Bitcoin-Vehikel zu funktionieren. Eine Treasury-Firma mit Vorzugsaktien baut dagegen eine Zahlungsarchitektur um ihre Bitcoin-These. Je größer diese Architektur wird, desto stärker prüft der Markt die Firma wie einen Kreditnehmer.

Das muss das Modell nicht sprengen. Es kann sogar eine neue Käufergruppe erschließen. Renditeinvestoren denken anders als Krypto-Anleger. Sie suchen laufende Zahlungen, Rang im Kapitalgefüge und eine plausible Quelle für die Ausschüttung. Genau darin liegt die verborgene Verbindung zwischen Bitcoin und dem Anleihemarkt. Der Coin liefert die Story. Die Dividende liefert die Disziplin.

Der konkrete Marker für die nächsten Tage lautet 135.979 BTC. Diese Zahl nennt CoinDesk unter Berufung auf Fidelity für die bis zum 5. Oktober über Vorzugsaktien finanzierten Käufe. Steigt sie weiter, ohne dass Dividenden und Rückkäufe die Erzählung dominieren, trägt das Modell vorerst. Bleibt sie stehen oder rücken die Ausschüttungen in den Vordergrund, wird aus der Bitcoin-Nachfrage eine Prüfung der eigenen Zahlungsfähigkeit.

Abstimmung

„Vorzugsdividenden machen Bitcoin-Treasury-Firmen stärker zu Kreditmodellen als zu reinen Krypto-Wetten.“

150 Stimmen bisher
fbr.
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