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Krypto skl / DFN-Redaktion · 17. September 2026, 09:34 Uhr · 4 Min. Lesezeit
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Macht die Blockchain Krypto-Wetten mit Hebel wirklich sicherer?

Kraken-Mutter Payward will gehebelte Krypto-Terminkontrakte in den USA anbieten. Für Sie zählt, wo Kursdaten, Hebel und Zwangsverkäufe brechen können.

Illustration: Macht die Blockchain Krypto-Wetten mit Hebel wirklich sicherer?

Perpetual Futures auf der Blockchain machen Krypto-Hebel nicht sicherer, sie machen seine Sollbruchstellen sichtbarer. Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, plant laut CoinDesk, US-Kunden Zugang zu Onchain-Perpetuals auf Hyperliquid zu geben, sofern die Aufsicht zustimmt.

Das klingt nach Fortschritt. Es klingt nach Transparenz, öffentlicher Abwicklung und weniger Hinterzimmer. Genau so werden Produktverkäufer es erzählen. Sie sollten trotzdem langsamer lesen. Onchain heißt: Geschäfte werden auf einer öffentlichen Blockchain abgewickelt. Es heißt nicht, dass Hebel harmloser wird.

Perpetual Futures sind Terminkontrakte ohne festen Verfallstag. Trader können damit auf steigende oder fallende Kurse setzen, oft mit geliehenem Kapital. Damit der Preis des Kontrakts nahe am Kassapreis bleibt, zahlen Long- und Short-Seite regelmäßig eine Funding Rate. Diese Funding Rate ist eine Ausgleichszahlung zwischen Marktteilnehmern. Sie ist kein Sicherheitsgurt.

Der neue Mantel ändert nicht den Hebel

Payward will laut CoinDesk mit Hyperliquid HIP-3-Märkten starten. Diese Märkte erlauben es Dritten, eigene erlaubnispflichtige Perpetual-Märkte einzurichten und zu verwalten. Die Kontrakte sollen unter den Regeln von Bitnomial Exchange laufen, einem von der CFTC regulierten Terminmarkt. Kunden bräuchten demnach Futures-Konten bei NinjaTrader Clearing und eine Genehmigung durch NinjaTrader Clearing und Bitnomial.

Das ist für den US-Markt ein bemerkenswerter Schritt. Perpetual Futures lagen seit ihrem Start im Jahr 2016 weitgehend außerhalb regulierter US-Märkte, berichtet CoinDesk. Wenn ein Anbieter sie in eine überwachte Struktur bringt, verschiebt sich der Ort des Risikos. Es verschwindet aber nicht.

Die Zahl dahinter
85 Billionen Dollar

So viel Volumen lief laut CoinDesk unter Verweis auf CoinGecko im Jahr 2025 weltweit durch Perpetual Futures. Die Größenordnung erklärt, warum regulierte Anbieter dieses Geschäft nicht ignorieren.

Für Sie ist die Versuchung klar. Wenn ein Produkt auf einer öffentlichen Blockchain läuft und zusätzlich unter einem regulierten Dach steht, fühlt es sich sauberer an. Dieses Gefühl ist gefährlich. Es kann den Rückschaufehler füttern: Was in der Vergangenheit chaotisch wirkte, erscheint rückblickend nur deshalb schlecht, weil die falsche Plattform beteiligt war. Die Mechanik selbst bleibt dieselbe.

Transparenz ersetzt keinen Puffer

Ein gehebelter Markt hat drei empfindliche Stellen. Erstens braucht er Preise, auf die sich Kontrakte beziehen. Zweitens braucht er Regeln, ab wann Sicherheiten nicht mehr reichen. Drittens braucht er eine Maschine, die Positionen schließt, bevor ein Verlust das System trifft.

Auf der Blockchain können diese Schritte sichtbarer werden. Sie können prüfen, welche Transaktionen wann abgewickelt wurden. Sie können sehen, ob Liquidationen in Wellen auftreten. Liquidation heißt: Eine Position wird zwangsweise geschlossen, weil die hinterlegte Sicherheit den Verlust nicht mehr deckt. Sichtbarkeit hilft, wenn Sie nach einem Unfall die Bremsspur sehen wollen. Sie verhindert den Unfall nicht.

Besonders heikel sind Orakel. Ein Orakel ist ein Datenlieferant, der externe Preise in ein Blockchain-System einspeist. Perpetuals brauchen solche Preise, weil ein Smart Contract wissen muss, wo Bitcoin, Ether oder ein anderer Basiswert gerade steht. Wenn diese Daten springen, verzögert kommen oder in Stressphasen dünne Märkte abbilden, reagieren Liquidationsregeln trotzdem mechanisch.

Kurz beantwortet
  1. Was wird durch Onchain-Abwicklung besser sichtbar? Transaktionen, Abwicklungsschritte und Liquidationswellen lassen sich eher nachvollziehen.
  2. Was wird dadurch nicht automatisch besser? Hebel, Sicherheiten und Preisabhängigkeit bleiben anfällig für schnelle Marktbewegungen.
  3. Welche Frage sollten Sie stellen? Wer kontrolliert Preisquellen, Liquidationslogik und Notfallregeln, wenn der Markt springt?

Die BitMEX-Klage zeigt, wo der Schmerz sitzt

Der historische Test für solche Märkte ist nicht der ruhige Handelstag. Er ist der Crash. CoinDesk berichtet über eine Klage der Insolvenzmasse von Celsius gegen fünf BitMEX-Einheiten. Die Klage wurde am 12. September beim U.S. Bankruptcy Court for the Southern District of New York eingereicht. Sie betrifft Zwangsliquidationen während des Covid-Crashs im März 2020.

Die Forderung umfasst laut CoinDesk 6.360 BTC, heute grob 495 Millionen Dollar. Celsius selbst habe am 12. März 2020 bei einer Liquidation 1.325,84 BTC verloren. Zusätzlich mache die Insolvenzmasse Ansprüche des Investmentfonds JST geltend, der am Folgetag 5.034,33 BTC verloren habe. Beide Positionen profitierten nur, wenn Bitcoin hielt oder stieg.

Die Vorwürfe sind bestrittene Vorwürfe in einem Verfahren, keine gerichtliche Feststellung. Sie sind trotzdem lehrreich. Celsius behauptet laut CoinDesk, BitMEX habe sowohl das System kontrolliert, das über Liquidationen entschied, als auch den Versicherungsfonds, der aus diesen Liquidationen wuchs. Für jeden, der neue Onchain-Perpetuals prüft, liegt dort die Kernfrage: Wer verdient am Stress?

Herdentrieb macht diese Frage schwerer. Wenn ein großes Volumen in einem neuen Markt entsteht, wirkt Teilnahme schnell wie Bestätigung. Viele verwechseln Liquidität mit Sicherheit. Verlustaversion tut den Rest. Wer eine gehebelte Position verliert, sucht oft zuerst den Fehler bei der Plattform, beim Orakel oder bei der Marktmanipulation. Manchmal stimmt das. Manchmal war nur der Hebel zu eng.

Was Sie bei Onchain-Perpetuals beobachten sollten

Für Beobachter zählen weniger die Werbeworte als die Grenzfälle. Welche Preisquellen nutzt ein Markt? Wie oft werden sie aktualisiert? Wer darf die Regeln ändern? Gibt es Pausen, wenn Liquidationen in Ketten laufen? Wie werden Versicherungsfonds gefüllt und eingesetzt? Diese Fragen klingen trocken. In Stressphasen entscheiden sie über den Unterschied zwischen geordnetem Abbau und Kaskade.

Regulierung kann helfen. Sie schafft Zuständigkeiten, Pflichten und prüfbare Verfahren. Paywards Plan würde laut CoinDesk US-Kunden nicht einfach in einen freien Onchain-Pool schicken, sondern über Bitnomial Exchange und NinjaTrader Clearing führen. Das ist mehr Struktur als im wilden Perpetual-Handel früherer Jahre. Struktur ist aber kein Schutz vor einer falschen Positionsgröße, einem dünnen Orderbuch oder einem abrupten Preisfeed.

Der sauberste Blick auf Onchain-Perpetuals ist deshalb nüchtern. Sie sind kein Zaubertrick gegen Krypto-Risiko. Sie sind ein Protokoll, ein Markt und ein Regelwerk, die sich unter Druck bewähren müssen. CoinDesk berichtet, die Celsius-Klage werfe BitMEX vor, die Plattform und die Liquidationsverfahren so gestaltet zu haben, dass Kundensicherheiten liquidiert und Kunden betrogen worden seien.

skl.
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