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Rohstoffe & Devisen okl / DFN-Redaktion · 17. September 2026, 09:32 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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Der Dollar verliert seinen Zinsbonus, weil die Fed unter Druck steht

Die Fed hebt erstmals seit 2023 den Leitzins an. Doch der Dollar zieht kaum mit, weil höhere Renditen plötzlich nach Risiko und Politik riechen.

Illustration: Der Dollar verliert seinen Zinsbonus, weil die Fed unter Druck steht

Im Juli 2023 erhöhte die Fed zum letzten Mal die Zinsen. Danach durfte der Markt lange so tun, als sei der nächste große Schritt eher nach unten gerichtet. Am Mittwoch hat die US-Notenbank diesen Trost beendet. n-tv berichtet, die Fed habe den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Der Dollar hätte darauf mit der alten Würde einer Hochzinswährung auftreten können. Er tat es kaum.

Am Donnerstagvormittag notiert EUR/USD bei 1,1484. Das ist kein dramatischer Aufstand gegen die Weltleitwährung. Es ist aber eine stille Ungehörigkeit gegen die Lehrbuchregel. Höhere US-Zinsen sollten den Dollar stützen, weil Dollar-Anlagen mehr laufenden Ertrag abwerfen. Diesmal behandelt der Markt den Zinsvorteil nicht als Zeichen von Stärke. Er behandelt ihn als Preis für eine Wirtschaft, die Inflation, Schulden und Angriffe auf ihre Notenbank zugleich tragen muss.

Die Fed liefert den Zinsvorteil, der Dollar bekommt Misstrauen

Der Zinsschritt kam nicht aus heiterem Himmel. Laut tagesschau.de rechneten die Finanzmärkte vor der Entscheidung mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent mit einer Anhebung um einen Viertelpunkt. Auch Reuters-Experten hatten nach Angaben von n-tv damit gerechnet. Die Überraschung lag also nicht im Beschluss, sondern in seiner Deutung.

Früher genügte ein Satz: Steigen die US-Zinsen, steigt der Dollar. Der Satz war nie ganz wahr, aber lange brauchbar. Heute trägt er weniger. Der Zins ist zwar noch die Schwerkraft der Finanzwelt. Doch auch Schwerkraft wirkt anders, wenn der Boden Risse bekommt.

Die Risse liegen offen. n-tv verweist auf eine hartnäckige Inflation, die durch den Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges zusätzlich befeuert werde. Die Fed achtet besonders auf den PCE-Index, ein Preismaß für Konsumausgaben. Laut n-tv lag die daraus berechnete Teuerungsrate im Juli wie schon im Juni bei 3,7 Prozent. Das ist zu hoch für eine Notenbank, die Glaubwürdigkeit nicht nur behaupten, sondern täglich finanzieren muss.

Zwei Lager
Die Dollar-Bullen sagen

Der höhere Leitzins macht US-Anlagen relativ attraktiver. Solange andere große Währungsräume weniger Rendite bieten, bleibt der Dollar für Kapitalströme interessant.

Die Skeptiker halten dagegen

Der Zinsvorteil entschädigt nur für normale Risiken. Wenn Inflation, hohe Defizite und politischer Druck auf die Fed zusammenkommen, verlangt der Markt mehr als einen Viertelpunkt.

Höhere Renditen helfen nur, wenn die Glaubwürdigkeit mitsteigt

Der Dollar lebt nicht allein vom Leitzins. Er lebt von der Erwartung, dass die Institutionen hinter diesem Zins verlässlich handeln. Genau dort beginnt der Schaden. Stephan Kemper, Chefanlagestratege bei BNP Paribas Wealth Management, sagte laut tagesschau.de: „Der Dollar wird aktuell von zwei gegenläufigen Kräften beeinflusst.“ Kurzfristig stützten höhere Zinsen die Währung. Langfristig sorgten hohe Staatsschulden, Defizite und Fragen zur geldpolitischen Glaubwürdigkeit für Gegenwind.

Das ist die unschöne Seite einer Zinserhöhung im Jahr 2026. Sie signalisiert nicht nur Entschlossenheit. Sie signalisiert auch, dass die Inflation wieder hartnäckig genug ist, um eine restriktivere Fed zu erzwingen. Wer Dollar kauft, kauft damit nicht bloß Rendite. Er kauft die ganze Bilanz: den Staatshaushalt, den Energiepreisschock, die politische Zumutung und die Frage, ob die Notenbank den Preisstabilitätsauftrag durchhält.

Der Unterschied ist klein und teuer. Ein Zins, der aus Stärke steigt, zieht Kapital an. Ein Zins, der wegen verlorener Preiskontrolle steigt, weckt Zweifel. Die Fed versucht, den zweiten Fall wie den ersten aussehen zu lassen. Der Markt hört höflich zu und fragt nach Sicherheiten.

Die nächsten Termine
  • Do. 17.09., 14:30 Uhr: USA – Philly Fed Manufacturing Index (erwartet 31,3 nach 47,4 zuvor)
  • Do. 17.09., 14:30 Uhr: USA – Erstanträge Arbeitslosenhilfe (erwartet 207K nach 206K zuvor)

Trump verwandelt Geldpolitik in ein Kreditrisiko

Die politische Seite macht diesen Zinsschritt schwerer verdaulich. n-tv berichtet, US-Präsident Donald Trump habe dem Fed-Vorstand „politische Gründe“ für die Zinserhöhung vorgeworfen. Notenbankchef Kevin Warsh nannte er zwar „einen guten Mann“, sprach aber von einem „feindseligen Vorstand“. Die Fed erhöhe die Zinsen, um ihm Schaden zuzufügen, sagte Trump laut n-tv.

Man muss diese Worte nicht dramatisieren. Man sollte sie auch nicht verniedlichen. Währungen bestehen aus Papier, Vertrauen und Gewohnheit. Papier ist billig. Gewohnheit hält lange. Vertrauen ist das empfindliche Stück. Wenn ein Präsident die Notenbank bei jeder unwillkommenen Entscheidung als politischen Gegner behandelt, wird aus Geldpolitik ein Bestandteil des Länderrisikos.

Auch die Finanzierungsstruktur verschärft die Lage. tagesschau.de verweist darauf, dass das US-Finanzministerium verstärkt auf kurzlaufende Anleihen setze. Deren Renditen hängen stärker am Leitzins als die Renditen langlaufender Papiere. Höhere Fed-Zinsen schlagen deshalb bei neuen Emissionen und Refinanzierungen rascher durch. Der Zinsvorteil des Dollar ist damit zugleich eine höhere Rechnung für den Staat.

Das erklärt, warum der Markt nicht in Jubel verfällt. Ein höherer Kupon auf Staatsanleihen erfreut den Käufer. Derselbe Kupon belastet den Schuldner. Bei den Vereinigten Staaten ist beides im selben Dollar verpackt. Das macht die Sache vornehm kompliziert und praktisch unangenehm.

Der stärkste Einwand bleibt: Der Dollar ist noch immer der Ausweichraum

Die Gegenposition verdient Respekt. Der Dollar bleibt die zentrale Reserve- und Handelswährung. US-Staatsanleihen bieten Tiefe, Liquidität und eine Marktinfrastruktur, die kein Konkurrent rasch nachbaut. Auch n-tv berichtet, die unmittelbare Marktreaktion auf den Zinsentscheid sei zunächst zurückhaltend ausgefallen. Ein Vertrauensproblem ist noch keine Flucht.

Gerade deshalb ist die aktuelle Schwäche bemerkenswert. Der Dollar muss nicht abstürzen, um eine Warnung zu senden. Es reicht, wenn er auf Nachrichten nicht mehr so reagiert, wie er es in besseren Zeiten getan hätte. Die Fed erhöht den Leitzins erstmals seit Mitte 2023, die Renditen steigen, der Dollar kommt dennoch kaum voran. In einer gesunden Erzählung wäre das widersprüchlich. In der jetzigen Lage ist es folgerichtig.

Der Markt sagt damit nicht, dass der Dollar erledigt sei. Er sagt, dass Rendite wieder begründet werden muss. Früher reichte oft der amerikanische Zinssatz. Nun verlangt der Markt eine Antwort auf die Frage, ob dieser Zinssatz Stabilität ausdrückt oder Reparaturkosten kaschiert.

Die Konsequenz ist schlicht. Solange Inflation und politische Fed-Angriffe gemeinsam auftreten, kauft der Dollar mit jedem zusätzlichen Basispunkt weniger Vertrauen ein. Ein Dollar, der für seine Rendite Erklärungen braucht, ist keine Weltleitwährung in Bestform.

okl.
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