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Rohstoffe & Devisen awd / DFN-Redaktion · 17. September 2026, 16:31 Uhr · 5 Min. Lesezeit
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Warum ist der Yen nach dem Fed-Hike der Stresstest für Risikoanlagen?

Nach der Fed schaut der Markt auf die BoJ. Die größere Gefahr liegt im Carry-Trade: Teurere Yen-Finanzierung trifft auf einen Dollar mit Vertrauensproblem.

Illustration: Warum ist der Yen nach dem Fed-Hike der Stresstest für Risikoanlagen?

Der Yen ist jetzt der Stresstest für Risikoanlagen, weil die Fed den Carry-Trade nicht nur verteuert, sondern seine Erzählung beschädigt.

Laut CoinDesk hat die Fed ihren Leitzins am Mittwoch um 25 Basispunkte auf eine Zielspanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, und Goldman Sachs erwartet nun bereits im Oktober den nächsten Zinsschritt.

Der Markt kann diese Nachricht bequem als Geschichte über die Zinsschere lesen. Die USA zahlen mehr Zins, Japan bleibt vorsichtig, Kapital sucht den höheren Ertrag. Das ist die bekannte Oberfläche. Darunter liegt eine empfindlichere Konstruktion: Viele Risiko-Wetten leben davon, dass die Finanzierung billig bleibt und die Währung, in der finanziert wird, nicht plötzlich steigt.

Der BoJ-Zinsentscheid wird deshalb nicht nur für den Yen wichtig. Er prüft, wie viel der jüngste Risikoappetit wirklich trägt, wenn die billigste Finanzierungslogik der vergangenen Jahre Risse bekommt.

Die Fed hat geliefert, aber der Dollar verhält sich nicht wie früher

In einem klassischen Lehrbuch würde die Sache einfach aussehen. Eine Notenbank erhöht die Zinsen, die Renditen steigen, die Währung gewinnt. Wer Dollar hält, bekommt mehr Zins. Wer keinen Dollar hält, muss sich fragen, ob er auf diesen Zins verzichten will.

Nur ist der Devisenmarkt selten ein Lehrbuch. tagesschau.de berichtet, dass der Dollar trotz kräftig gestiegener Renditen amerikanischer Staatsanleihen kaum vom Fleck kommt. Das ist keine Randnotiz. Es ist der Teil der Geschichte, der den Carry-Trade gefährlicher macht.

CoinDesk verweist zudem auf einen Tonwechsel in der Fed. Fed-Chef Kevin Warsh sagte demnach nach der Sitzung, die Inflation sei weiterhin „too high“. Die jüngste Erhöhung habe lediglich eine „dose of accommodation“ entfernt. Übersetzt in Marktsprache heißt das: Die Fed hält die Politik offenbar noch nicht für restriktiv genug.

Damit steigt kurzfristig der Zinsvorteil des Dollar. Gleichzeitig wächst das Misstrauen, ob dieser Vorteil noch sauber in Dollar-Stärke übersetzt wird. tagesschau.de nennt hohe öffentliche Schulden, Defizite und den Konflikt zwischen Donald Trump und der Fed als Belastungen für das Vertrauen in die Weltleitwährung. Der Dollar bekommt also mehr Zins, aber weniger Unschuld.

Die Zinsschere ist sichtbar, der Hebel im Carry-Trade ist es weniger

Der Carry-Trade ist simpel, solange er funktioniert. Investoren leihen sich Geld in einer niedrig verzinsten Währung, etwa Yen, und investieren es in höher verzinste Anlagen oder Risikoassets. Die Differenz ist der Carry. Er wird zur Prämie für Geduld, solange Wechselkurse und Volatilität ruhig bleiben.

Der unangenehme Teil beginnt, wenn die Finanzierungswährung steigt oder die Finanzierungskosten steigen. Dann frisst der Wechselkurs die Zinsdifferenz auf. Bei gehebelten Positionen reicht oft eine kleine Bewegung, um aus einem ruhigen Ertrag eine hektische Positionsbereinigung zu machen.

Genau deshalb ist der Blick auf die BoJ enger als üblich mit Aktien, Krypto und Rohstoffen verbunden. Es geht nicht nur um den Außenwert des Yen. Es geht um die Frage, ob eine große Finanzierungsquelle ihre Ruhe verliert.

Die Fed-Seite der Rechnung ist bereits schärfer geworden. Laut CoinDesk preisten Händler zuletzt eine etwas über 50-prozentige Chance auf eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte im Oktober ein, gemessen am CME-FedWatch-Tool. Wenn diese Erwartung bleibt, steigen die Opportunitätskosten für jede Wette, die nur wegen billiger Finanzierung attraktiv aussah.

Ein schwacher Dollar macht die alte Carry-Logik brüchig

Der bequeme Gedanke lautet: Höhere US-Zinsen schützen den Dollar und damit die globale Risikopositionierung. Er klingt plausibel. Er war in vielen Phasen auch richtig. Nur verlangt der aktuelle Zyklus eine zweite Frage: Was passiert, wenn höhere Zinsen den Dollar nicht mehr zuverlässig tragen?

Dann verliert der Carry-Trade seine einfachste Absicherung. Wer in Yen finanziert und in Dollar-Anlagen geht, braucht nicht nur eine positive Zinsdifferenz. Er braucht auch einen Wechselkurs, der nicht gegen ihn läuft. Wenn der Yen steigt, weil die BoJ weniger locker wirkt, und der Dollar gleichzeitig wegen Vertrauensfragen nicht zieht, kippt die Rechnung schneller als viele Modelle erlauben.

tagesschau.de zitiert Stephan Kemper von BNP Paribas Wealth Management mit der Einschätzung, der Dollar werde derzeit von zwei gegenläufigen Kräften beeinflusst. Kurzfristig stützten höhere Zinsen die Währung. Langfristig wirkten Schulden, Defizite und Fragen zur geldpolitischen Glaubwürdigkeit dagegen.

Das ist für Risikoanlagen unangenehm, weil es zwei bislang getrennte Risiken verbindet. Die US-Zinsen steigen, also wird Liquidität teurer. Der Dollar wirkt aber nicht stark genug, um als eindeutiger Anker zu dienen. In einem solchen Umfeld wird der Yen nicht zur Nebensache. Er wird zur Messlatte für die Stabilität fremdfinanzierter Wetten.

Die Gegenposition

Die Fed bleibt hawkish, die USA bieten den höheren Zins, und die BoJ könnte vorsichtig genug bleiben, um keinen echten Yen-Schock auszulösen. Der Punkt ist ernst zu nehmen: Carry-Trades enden selten, nur weil ihre Risiken sichtbar werden. Sie enden eher, wenn Finanzierungskosten, Wechselkursbewegung und Positionierung gleichzeitig Druck erzeugen.

Tokio prüft, wie viel Risiko schon auf Ruhe gebaut ist

Die BoJ muss keine dramatische Überraschung liefern, um relevant zu werden. In späten Phasen eines Carry-Zyklus reicht oft eine kleine Verschiebung der Erwartungen. Das liegt nicht an der Größe eines einzelnen Zinsschritts. Es liegt daran, wie viele Positionen denselben stillen Satz voraussetzen: Yen-Finanzierung bleibt billig, der Dollar bleibt brauchbar, Risikoassets bleiben liquide.

Dieser Satz ist keine Gewissheit. Er ist eine Annahme. Und Annahmen werden an den Märkten selten sauber zurückgenommen. Sie werden verteidigt, bis der Preis sie nicht mehr trägt.

Der Konflikt zwischen Trump und der Fed verschärft diese Lage. tagesschau.de berichtet, dass Vermögensverwalter Eckhard Schulte von MainSky Asset Management mit Blick auf eine Zinserhöhung sagte: „Trump wird toben“. Der Grund liegt laut dem Bericht auch in der Finanzierung des Staates. Das US-Finanzministerium setze verstärkt auf kurzlaufende Anleihen, deren Renditen stärker am Leitzins hängen. Höhere Fed-Zinsen treffen neue Emissionen und Refinanzierungen damit direkter.

Damit wird aus einer normalen Zinsentscheidung ein Glaubwürdigkeitstest. Wenn die Fed weiter strafft, obwohl die Politik niedrigere Finanzierungskosten will, stützt das formal ihre Inflationsbekämpfung. Wenn der Dollar trotzdem schwach bleibt, sagt der Markt etwas anderes: Er bezahlt nicht nur Zins. Er verlangt Vertrauen.

Für Risikoanlagen liegt die Gefahr deshalb weniger in einer einzelnen BoJ-Formulierung. Sie liegt in der Kombination aus teurerem Dollar-Geld, einem möglichen Yen-Anstieg und einem Dollar, der trotz höherer Zinsen nicht selbstverständlich gewinnt. Wo im Zyklus wir stehen, lässt sich nicht exakt bestimmen. Aber man kann erkennen, welche Annahme gerade besonders viel tragen muss.

Wenn die BoJ diese Annahme auch nur leicht belastet, bekommt der Markt eine Antwort, die über Devisenhändler hinausgeht. Dann zeigt sich, ob Risikoassets aus Überzeugung steigen oder weil die Finanzierung lange zu billig war. Wie Stephan Kemper laut tagesschau.de sagt: „Kurzfristig unterstützen höhere Zinsen die Währung, langfristig sorgen jedoch hohe Staatsschulden, Defizite und auch Fragen zur geldpolitischen Glaubwürdigkeit für Gegenwind.“

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„Der Yen ist derzeit der wichtigste Stresstest für globale Risikoanlagen.“

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